Interview mit Benjamin Köhler vom Soziologiemagazin

Benjamin Köhler
Benjamin Köhler

Hallo Benjamin, du bist Vereinsvorsitzender von soziologiemagazin e.V., dem Verein der halbjährlich das Studentische Soziologiemagazin heraus gibt. Worum handelt es sich dabei genau?

Der Verein „soziologiemagazin e. V.“ ist ein studentisches, nachwuchswissenschaftliches Projekt, dass Studierende und AbsolventInnen einladen möchte, erste wissenschaftliche Arbeiten zu veröffentlichen. Unser Radius geht dabei durch den gesamten deutschsprachigen Raum: So werden wir im Frühling 2012 beispielsweise ein Sonderheft in Kooperation mit Frau Prof. Aulenbacher und ihren Studierenden von der Universität Linz herausgeben.
Die Idee zur Gründung eines Redaktionskreises und einem Verein, dass ein wissenschaftlich anerkanntes Magazin veröffentlichen soll, ist auf dem 1. Studentischen Soziologiekongress im Sommer 2007 in Halle entstanden. Heute setzt sich die Redaktion aus zwölf ehrenamtlich arbeitenden Studierenden und Studierten aus ganz Deutschland zusammen. Allerdings schwankt die Stärke unseres Teams von Zeit zu Zeit, sodass wir uns auch immer wieder über neue Gesichter freuen. Es gibt zwar feste Aufgabengebiete, aber auch viele Überschneidungen, sodass jeder Erfahrungen im gesamten Redaktions- und Vereinsbetrieb sammeln kann. Dabei kommunizieren wir hauptsächlich via eMails und in Skype-Onlinemeetings – persönliche Treffen gibt es meist nur in halbjährlichen Abständen. Zusätzlich werden wir in unserer Arbeit von unserem Wissenschaftlichen Beirat und einem Kuratorium bzw. Freundeskreis unterstützt.

Auf der Website www.soziologiemagazin.de gibt es auch den SoziologieBlog. In wie fern unterscheidet der sich von der Printausgabe?

Das Soziologiemagazin ist Herzstück unserer Arbeit und erscheint zu festgelegten Call4Papers, zu denen Artikel eingereicht werden können – doch dazu vielleicht später mehr! Der SoziologieBlog besteht seit 2010 und stellt hingegen eine Plattform dar, auf der soziologische Inputs nach Anmeldung selbst und jederzeit veröffentlicht werden können. Wir nehmen hier keine Auswahl oder Bewertung vor, behalten uns jedoch vor, Beiträge gegebenfalls zu lektorieren. So finden sich Inputs der unterschiedlichen Fachdisziplinen sowie aktuelle Tagungsberichte, Rezensionen oder Veranstaltungsankündigungen. Außerdem gibt es auf unserer Blogseite neben unserem aktuellen Online-Magazin auch tagesaktuelle News rund um die Soziologie, die wir auch über Twitter und Facebook verschicken sowie weitere soziologisch-nützliche Links und Tools.

Ich würde gern ein Paper einsenden – sollte ich dabei etwas beachten? Werden alle Einsendungen gedruckt oder trefft ihr als Redaktion eine Auswahl? Wenn ja, nach welchen Kriterien?

Wie eben schon erwähnt, gibt es für die Ausgaben des Soziologiemagazins hingegen immer einen aktuellen Call4Papers, zu dessen Deadline Paper eingesendet werden können. Diese durchlaufen dann ein mehrstufiges Review-Verfahren. Darüber hinaus können allerdings auch hier themenunabhängig Beiträge, beispielsweise Essays, Rezensionen, Tagungsberichte, Veranstaltungsankündigungen oder auch Interviews mit Soziologen eingereicht werden.
Alle Einsendungen werden anonymisiert und innerhalb unserer Redaktion diskutiert und ausgewählt. Beiträge, die sich explizit zum jeweiligen Call4Papers richten, werden zusätzlich an unseren Wissenschaftlichen Beirat weitergeleitet, mit dem wir uns dann zusammen über eine Veröffentlichung abstimmen. Zwischen diesen Reviewphasen bis zum umfangreichen Lektorat betreuen wir die AutorInnen und geben ihnen die Möglichkeit, den eigenen Beitrag zu überarbeiten. Als Hilfestellung dienen unsere „Hinweise für AutorInnen„.
Für gerechte Bewertungsrunden sowie einen wissenschaftlichen Standard dient ein Bewertungsleitfaden, der nach inhaltlichen, wie beispielsweise nach der konkreten Fragestellung, dem Erkenntnisgewinn, der Methodik oder der genutzte Literatur, ebenso wie nach formalen Gesichtspunkten, wie dem rote Faden, dem Stil oder der Verständlichkeit, abwägt.
Unsere aktuelle Ausgabe beschäftigt sich beispielsweise mit dem Thema „FreiRäume“, die nächste Ausgabe erscheint im Februar 2012 zum Thema „Geburt – Leben – Tod“. Unser neuer Call4Papers widmet sich dem Themenfeld „Wirtschaft – Arbeit – Märkte“ und ruft bis zum 01.06.12 zur Einsendung von Papers auf.

Welche Vorteile hat es für Studenten, wenn sie im Soziologiemagazin publiziert haben?

Der größte Vorteil liegt darin, die wissenschaftliche Praxis kennenzulernen, selbst eigene nachwuchswissenschaftliche Texte veröffentlichen zu können und vor allem dem wissenschaftlichen Diskurs eine frische, nachwuchswissenschaftliche Perspektive zu geben. Wir begleiten dabei die Autoren im gesamten Prozess und geben Hilfestellungen und Kritik von der Bearbeitung zwischen den einzelnen Review-Phasen bis hin zum Lektorat. Als Student selbst schon einmal einen wissenschaftlichen Fachartikel nach bestimmten Kriterien geschrieben zu haben, ist in jedem Fall eine spannende Erfahrung, erst Recht, wenn dieser dann in einer Veröffentlichung zu lesen ist. Da es sich um eine eingetragene, wissenschaftliche Publikation handelt, sind die Beiträge selbstverständlich auch zitierfähig. Das beste ist – das Soziologiemagazin ist als Online-Magazin kostenlos und weltweit lesbar!

Du selbst hast Soziologie in Trier, Berlin und Prag studiert und im Sommer 2011 den B.A. an der TU Berlin abgeschlossen. Seither studierst du “Europäische Kulturgeschichte” an der Viadrina Frankfurt/Oder. Wie kam es zu deiner Mitarbeit beim Soziologiemagazin und was sind deine Aufgaben?

Ich bin im Herbst 2009 bei der Internet-Recherche eher zufällig auf das Soziologiemagazin gestoßen und war sofort an der Mitarbeit interessiert, gerade in einer Zeit, in der es noch nicht viele studentische, nachwuchswissenschaftliche Initiativen gab. Aktuell gehören zu meinen Aufgaben die inhaltliche und technische Betreuung des Blogs, die Pflege der Social Media sowie die Öffentlichkeitsarbeit und der Anzeigenkontakt. Als neuer Vereinsvorstand kommt nun die Aufgabe der Vereinspflege sowie der Heft- und Redaktionskoordination hinzu.

Welche Möglichkeiten gibt es um das Soziologiemagazin zu unterstützen?

Da sprechen Sie eine wichtige Sache an: Für unsere Redaktion suchen wir immer wieder neue Leute, gerade im Bereich Layout, Website und Öffentlichkeitsarbeit. Darüber hinaus freuen wir uns natürlich, wenn Studierende oder AbsolventInnen Blogbeiträge posten oder uns auch im Verein unterstützen.
Da wir als Verein völlig unabhängig und ohne Förderung durch universitäre Institute, Wissenschaftsstiftungen oder Unternehmen arbeiten, sind wir auf Fördermitgliedschaften und Spenden angewiesen. Langfristig suchen wir konstante Anzeigenkooperationen oder einen Verlag, der Druck und Vertrieb unserer Ausgaben übernimmt.

Das wichtigste zum Schluss: Wo kann ich das Soziologiemagazin denn kaufen?

Das Besondere am Soziologiemagazin ist, dass wir unsere Ausgaben als Online-Magazin zum kostenlosen Lesen und Download auf unserer Webseite zur Verfügung stellen. Außerdem bieten wir unsere Hefte auch als Druckausgabe auf unserer Website im Online-Shop zum kleinen Preis an. Es gibt über verschiedene Fachschaften auch die Möglichkeit, unsere Hefte vor Ort zu erwerben, wie beispielsweise in Berlin, Halle, Bochum, Bielefeld, Tübingen oder München.

Zum Schluss vielleicht noch ein Gedanke zu einer studentischen Nachwuchswissenschaft: Wichtig und interessant ist in jedem Fall, dass studentische Projekte aktuell zunehmen, dass Studierende Blogs und Magazine betreiben oder Kongresse und Tagungen veranstalten und institutionalisieren, in denen sie selbst Inhalte bestimmen und organisieren.
Sicher helfen hier auch die sozialen Medien der digitalen Kommunikation, die über zeitliche und räumliche Grenzen Netzwerke ermöglichen, in denen solche Projekte auf die Beine gestellt werden können. Auf der einen Seite werden hier zunehmend Praktiken eines „Kreativunternehmers“ und einer Selbstverwertung sichtbar, mit dem Ziel, eigene Texte und Ideen für Pluspunkte im google-Ranking aufzuwerten. Auf der anderen Seite könnte die Entwicklung studentischer Wissenschaft auch darauf hinweisen, dass bestehende wissenschaftliche Diskurse aus ihren Nischen an die Öffentlichkeit treten und wissenschaftliche Elitenkreisläufe geschwächt werden. Sicherlich ist hier auch die Bachelor-/Master-Reform anzuführen, die nach dem Bachelor-Abschluss Studierende mit einem akademischen Abschluss genau an der Schnittstelle zwischen Studium und Wissenschaft zur Folge hat. Der eigentliche Mehrwert studentisch-nachwuchswissenschaftlicher Projekte über das Kennenlernen der wissenschaftlicher Praxis hinaus, müsste vielmehr – gerade von Studierenden – diskutiert und untersucht werden.


Zum Blog:
http://www.soziologiemagazin.de

Zum aktuellen (kostenlosen) Online-Magazin „FreiRäume“:
http://www.soziologiemagazin.de/blog/freiraeume

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