Interview mit Matthias Friedmann und Frank Schlegel von Radio Q

Matthias Friedmann und Frank Schlegel
Matthias Friedmann und Frank Schlegel

Hallo Matthias, Hallo Frank, ihr macht aktuell beide euren Master in Geschichte an der Uni Münster und habt den Bachelor in Germanistik und Geschichte bereits in der Tasche. Begleitend zum Studium engagiert ihr euch für das Campusradio Radio Q. Wie kam es dazu und was sind eure Aufgaben?

Matthias Friedmann: Am Anfang meines Studiums hatte ich das Ziel (Radio-)Journalist zu werden. Unteranderem erklärt sich so auch die Wahl meiner Fächer. Ich hatte das Gefühl, dass diese Fächer mich dem Ziel eher näher bringen, als ein Studium der Kommunikationswissenschaften, weil es zum einen mehr mit mir als Person zu tun hat, zum anderen aber auch weil ich davon ausgegangen bin, dass diese Art von Wissen und Bildung das ist, was ich als Journalist brauche. Aber es genügt für dieses Berufsziel natürlich nicht einfach nur studiert zu haben. Ich habe schon vorher von Campusradios gehört und als ich dann Radio Q entdeckt habe, war klar, dass ich da mitarbeiten will bzw. werde um eben Praxiserfahrung sammeln zu können. Seit 2008 bin ich bei Q als Redakteur & CvD tätig. Dazu gehört das Schreiben von Beiträgen, aber auch das Programm einzelner Sendungen, wie z.B. Q History, zu gestalten. Wenn dann noch Zeit bleibt kümmere ich mich hin und wieder um die Technik. An verschiedenen Aufgaben, die auch mit Verantwortung verbunden sind, mangelt es nicht.

Frank Schlegel: Zur Zeit bin ich zusammen mit Matthias Chef der Morgensendung Coffeeshop am Montag sowie unserer Abendsendung Q History. Außerdem sammeln wir Material für die im nächsten Semester geplante Sendung „Elfenbeinturm“, in welcher wir interessante Vorträge aus allen Fachbereichen aufnehmen und ausstrahlen wollen. Zudem bin ich viel als Nachrichtensprecher tätig gewesen und gebe nun Workshops für neue Redakteure. Ehrlich gestanden bin ich erst viel später zu Q gekommen als Matthias. Ich bin einer von denen, die ihren Bachelor in drei Jahren durchgezogen haben. An produktiven Dingen gab es für mich nur Studium und Musik. Für Q war da noch keine Zeit, auch wenn ich mit dem Gedanken gespielt habe. Mit dem Beginn der Master-Phase musste sich aber etwas ändern. Ich will schließlich kein Lehrer werden, sondern was Kreatives machen, zumindest etwas, wo man selbstständig arbeiten darf und muss. Das Geschichtsstudium in Münster ist wirklich sehr gut, es hat zu meiner intellektuellen Reife beigetragen und wissenschaftliches Arbeiten ist überhaupt kein Problem für mich. Aber das hat mir nicht mehr gereicht. Ich hatte das Gefühl, dass meine Kreativität auf der Strecke geblieben war, viele frühere Fähigkeiten verkrüppelt.

Q History ist eine Sendung des Radio Q, um die ihr euch besonders kümmert. An wen richtet sich Q History und was erwartet die Hörer?

Matthias Friedmann: Mit Q History versuchen wir einerseits den berühmten „interessierten Laien“ zu erreichen und ihm eine Alternative zu anderen Geschichtssendungen zu bieten, wie beispielsweise ZDF History oder aber Zeitzeichen des WDR. Vor allem versuchen wir neue Themen auf die Tagesordnung zu bringen, die in Münster z.B. gerade erforscht werden. Aber eigentlich ist unsere Zielsetzung idealistischer: Wir sind der Überzeugung, dass man durch einen Blick in die Geschichte viel über die Gegenwart lernen kann. Gerade in gesellschaftlichen Konflikten, sei es Aufständen oder Amtsrücktritten, kann es für die Diskussionen Helfen zu Fragen: Was ist früher passiert? Wie sind die Menschen mit ähnlichen Konflikten umgegangen? Meiner Meinung lässt sich so eine neue Perspektive auf derartige Ereignisse gewinnen und neue Fragen oder auch Antworten finden. Schließlich kann man, denke ich, auch besser verstehen, was zur Zeit in der Welt vorgeht – zumindest in Ausschnitten. Nach dieser Idee sind die meisten unserer Beiträge angelegt und daher auch für Hörer interessant, die nicht direkt etwas über Geschichte erfahren wollen. Ich denke diese Herangehensweise macht es für den Zuhörer auch spannender, als wenn wir bloß z.B. durch bestimmte Daten zu unseren Themen kommen würden, weil wir ihn eben da abholen wo er ist: In der Gegenwart. Von daher richtet sich unser Programm nicht nur an historisch Interessierte.

Frank Schlegel: Radio Q ist Radio von Studenten für Studenten. Aber Q History spricht auch generell historisch Interessierte – oder potentiell historisch Interessierte – an. Damit meine ich, dass es uns mit unserem Programm gelingt, auch Nichtakademiker vors Radio zu kriegen. Was erwartet den Hörer dann? Auf alle Fälle nicht das, was man üblicherweise von Radio und Fernsehen gewohnt ist. Wir arbeiten keine Biographien ab und vertonen Faktenwissen oder zeichnen plumpe Vorgeschichten des Jetzt. Wir stellen Fragen aus unserem gegenwärtigen Horizont heraus. Zum Beispiel hatten wir eine Sendung über Zombies gemacht, ein wahnsinnig beliebtes Filmmotiv, und Untote historisch und filmanalytisch beleuchtet. Sehr bezeichnend, dass wir ausgerechnet für diese Sendung den Campusradiopreis im Bereich Wissenschaft gewinnen konnten.

Welche Vorteile seht ihr in der Arbeit für Radio Q? Was können Studenten lernen, die sich beim Campusradio engagieren?

Matthias Friedmann: Neben journalistischen und technischen Grundlagen hat man bei Q die Möglichkeit eigenständig an der Produktion eines kompletten Radioprogramms mit zu wirken – in einem normalen Praktikum ist das nicht möglich. Das heißt man arbeitet nicht nur irgendwem zu, sondern erstellt die Beiträge selbst. Außerdem erhält man auch die Möglichkeit selbst zu moderieren oder beispielsweise als Chefredakteur die Redaktion zu leiten – dann gibt es natürlich auch die Musikredaktion oder die PR, wo man jederzeit mit anpacken kann. Das schöne daran ist, dass es keinerlei professionelle Leitung gibt. Es gibt zwar schon die Möglichkeit an Schulungen durch Experten teilzunehmen, aber Radio Q selbst ist 100% von den Studenten in ehrenamtlicher und eigenverantwortlicher Arbeit gemacht. Man kriegt also mehr als nur einen Einblick in die Arbeit als Journalist, sondern kann oder muss sich gleichzeitig selbst einbringen. Weil absolut alles von uns selbst gemanagt werden muss lernt man nicht nur etwas über journalistische Arbeit, sondern über Arbeiten im Team und wird immer wieder mit neuen Problemen unterschiedlicher Art konfrontiert. Radio Q ist in dieser Hinsicht das perfekte Experimentierfeld. Es gibt kaum einschränkende Regeln hinsichtlich der Gestaltung von Beiträgen, wie es bei größeren Radiosendern oft der Fall ist. Das ist, denke ich, die größte Stärke eines Campusradios. Auf diese Weise lernt man irgendwo auch etwas fürs „Leben“ und nicht nur für die journalistische Arbeit.

Frank Schlegel: In erster Linie lernen Studenten hier, Verantwortung zu übernehmen, etwa als Chef einer Sendung, und generell als Redakteur zu bestimmten Zeitpunkten Ergebnisse nach bestimmten Richtlinien abzuliefern. Man kann Moderator werden, sich um Musik kümmern, Nachrichten recherchieren und sprechen, PR machen, und so weiter. Die Auswahl ist wirklich groß. Q bietet mir vieles, was ich im Studium nicht machen kann. Zum einen vermittelt mir der Sender radiotechnisches und journalistisches Handwerk. Zum anderen habe ich die Möglichkeit – und damit komme ich zu Q History – Geschichte auf selbstständige Weise medial zu vermitteln. Ein eigenes Ding zu drehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die eigene Kompetenz dabei in kurzer Zeit ungemein wächst. Um ein vieles mehr als bei diversen Praktika, die ich gemacht habe, unter anderem auch in einem Lokalradio. Da sind die Regeln und Grenzen viel enger, man hat lange nicht so viele Entfaltungsmöglichkeiten wie im Campusradio. Gerade bei Q History erforschen wir gemeinsam ein ungemein komplexes Territorium: die eigentlich ambivalente Verknüpfung von Radio, einem schnellen Medium, das man oft so nebenbei hört, bei dem Informationen möglichst knapp und einfach vermittelt werden sollen, und Geschichtswissenschaft, die immer hunderte von Fußnoten mitdenkt und alles aus zig Blickwinkeln beleuchten will. Mir ist keine andere Alternative bekannt, wo ich die Verbindung von Radio und Geschichte sonst erkunden und reflektieren könnte. Gut, am Historischen Seminar bei uns gibt es ab und an Übungen, in denen Studenten einen Radiobeitrag erschaffen sollen. Aber das geht dann auch nur wieder in Zusammenarbeit mit Q, zur Zeit geben Matthias, Henrik Kipshagen, das ist ein weiterer Q-Historiker und ich eben diese Übung.

Habt ihr schon Pläne welchen beruflichen Weg ihr nach der Uni gern einschlagen möchtet?

Matthias Friedmann: Wie gesagt: Radiojournalismus war bisher mein Plan. Aber in letzter Zeit schaue ich mich auch in anderen Bereichen um. Geisteswissenschaftler, die sich ebenfalls auch mit IT-Angelegenheiten, z.B. Programmierung, auskennen, sind wohl recht selten. Mich würde z.B. interessieren, ob es für einen Historiker nicht auch Möglichkeiten im IT-Bereich geben könnte, nicht nur weil es dort scheinbar recht viele Jobs gibt, sondern vor allem aus persönlichem Interesse.

Frank Schlegel: Das ist schwer zu sagen. In je mehr Bereiche ich hineinschnuppere, desto mehr Möglichkeiten bieten sich mir ja. Uni, Radio, Bildungswesen, Museum… es kann auch sein, dass ich erst einmal in einem staubigen Archiv lande. Glaube ich aber nicht. Zumindest würde ich da nicht ewig bleiben. Krasse Sorgen mache ich mir keine mehr, meine geisteswissenschaftliche Krise, wie ich sie nenne, liegt hinter mir. Ich stelle mich breit auf und kann mich deshalb darauf freuen, was auch immer da kommt. Wird auf alle Fälle spannend.


Radio Q – Das Campusradio der Uni Münster
Q History – Geschichte bei Radio Q