Interview mit dem freien Journalist und Chefredakteur Bernhard Blöchl

Bernhard Blöchl
Bernhard Blöchl

Herr Blöchl, Sie haben Journalistik, Kommunikationswissenschaft, Politik, Soziologie, Kunstgeschichte und Markt- und Werbepsychologie in München studiert. Wie kam es denn zu dieser Mischung?

Wenn ich das so höre, muss ich schmunzeln. Man sollte das vereinfachen und lapidar Journalistik nennen. Ich habe Diplom-Journalistik in Kombination mit einer praktischen Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München (DJS) studiert. Der universitäre Part bestand seinerzeit aus dem Hauptfach Kommunikationswissenschaft und den Pflichtnebenfächern Politik und Soziologie. Ein weiteres Nebenfach durfte man frei wählen. Weil sich Kunstgeschichte nach ein paar Semestern als Irrweg für mich herausstellte (obwohl die hohe Frauenquote durchaus verlockend war), schwenkte ich um und belegte Markt- und Werbepsychologie. Aus dem einfachen Grund, weil es schnell zu absolvieren war und als leicht galt (ob die Männerquote deshalb so hoch war, weiß ich nicht).

Ist Ihr Studium so verlaufen, wie Sie es sich anfangs vorgestellt haben? Gab es Enttäuschungen oder Überraschungen?

Enttäuscht und auch ein wenig schockiert war ich darüber, wie theorielastig und vergangenheitsbezogen eine relativ junge Disziplin wie Kommunikationswissenschaft sein konnte. Dagegen erwiesen sich Politik und Soziologie als Wissensfelder, die das wissenschaftliche Arbeiten, Kritikfähigkeit sowie die Stärke, interdisziplinäre Verknüpfungen herzustellen, trainierten. Ich habe mich aber in erster Linie deshalb auf das Studium eingelassen, weil es an die Ausbildung an der DJS gekoppelt war, die ich nach wie vor sehr schätze und nicht missen möchte.

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Ich habe vom ersten Unitag an gejobbt. Außerdem haben mich meine Eltern unterstützt.

Haben Sie sich während Ihres Studiums nebenher engagiert?

Um möglichst schnell Fuß in der Praxis zu fassen, arbeitete ich von Anfang an nebenher als freier Mitarbeiter. Zunächst in der Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung in Ebersberg, später auch bei der ddp Nachrichtenagentur und bei anderen Medien. Schreiben war stets mein Hobby. Dass mein Beruf kein Beruf ist, sondern eine Lebenseinstellung, habe ich während des Studiums verinnerlicht. Die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit verschwimmen, womit ich nie ein Problem hatte – im Gegenteil. Praktika mochte ich auch, ich habe es aber nicht übertrieben. Drei oder vier – Zeitungsredaktionen von Friedberg bis La Rochelle in Frankreich – werden es gewesen sein.

Hatten Sie schon im Studium eine Vorstellung davon, welchen Beruf Sie später einmal ergreifen möchten?

Mein Wunsch, journalistisch zu arbeiten, festigte sich während des Studiums. Aber eigentlich stand das auch schon vorher fest. Als Kind wollte ich Koch und Fußballreporter werden – daraus sind immerhin Hobbys geworden.

Wie viele Semester haben Sie studiert? Sind Sie damit zufrieden?

Ich glaube, es waren zehn Semester. Damit war ich weder ein Überflieger, noch ein Bankdrücker, also irgendwas dazwischen. Da die Ausbildung an der DJS meist in den Semesterferien stattfand, wir also ganz gut ausgelastet waren über das Jahr hinweg, war das schon okay. Zumal mir die Zeit für Praktika und freie Mitarbeit sehr wichtig war.

Sind Sie der Meinung, dass man ein Studium möglichst schnell und diszipliniert abschließen sollte um so früh wie möglich in den Arbeitsmarkt einzusteigen oder sollte man die Unizeit nutzen, um sich selbst auszuprobieren und auch einmal über den Tellerrand zu schauen?

Mein Motto: Gelassen läuft‘s! Ich würde jedem raten, diese sehr spezielle Zeit zu nutzen, sich darüber klar zu werden, worin die eigenen Stärken und Schwächen liegen. Dabei sollte man unbedingt ehrlich zu sich selbst sein, denn später wird einem eine mögliche Fehleinschätzung um die Ohren gehauen. Wenn ich Lebensläufe von Praktikanten in die Hände bekomme, ist es mir herzlich wurscht, ob sie oder er ein Jahr mehr oder weniger an der Uni war. Viel wichtiger ist mir, ob sie wissen, was sie wollen. Das sieht man dann auch in der Arbeit.

Aktuell sind Sie als freier Autor und Redakteur tätig, primär für die Süddeutsche Zeitung. Wie kam es dazu?

Seit dem Uniabschluss bin ich selbstständig. Mir kommt diese Art zu arbeiten durchaus entgegen, wobei man auch sagen muss, dass ich einer Generation angehöre, für die feste Redakteursstellen und Sicherheit nicht mehr alltäglich sind. Mein Hauptstandbein ist die Süddeutsche Zeitung, der ich schon lange verbunden bin. Hier arbeite ich redakteursähnlich als Pauschalist im Kulturressort des München-/Bayern-Teils. Nebenbei beschäftige ich mich mit Herzensprojekten. Das Zusammenspiel aus Stand- und Spielbein gefällt mir.

Neben Ihrer Tätigkeit als freier Autor und Redakteur sind Sie zudem Chefredakteur des Kreativkarriere-Magazins music supporter sowie der Online-Ausgabe www.musicsupporter.de. Wie kamen Sie dazu und was sind Ihre Aufgaben?

musicsupporter.de ist so ein Herzensprojekt. Unser Ansporn ist es, jungen Kollegen Information und Inspiration für die Karriere in kreativen Berufen zu bieten – also in den Fachbereichen Musik, Ton, Management, Kommunikation, Design und Bild. Die Online-Ausgabe gibt es seit zwei Jahren, zuvor erschienen in regelmäßigen Abständen Printmagazine. Da ich dem Mutterkonzern, der music support group und ihrer Akademie Deutsche POP, schon seit vielen Jahren sehr verbunden bin, bat man mich 2010 die Chefredaktion zu übernehmen. In dieser Funktion entwickle ich Themen und Konzepte, koordiniere, redigiere und betreue Autoren, recherchiere und verfasse eigene Beiträge und kümmere mich um die Social-Media-Auftritte.

Wie sieht so eine typische Arbeitswoche bei Ihnen aus bzw. wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen freier Autor und Chefredakteur von music supporter?

Vier Tage bin ich in der SZ beschäftigt. Mein Alltag ist abwechslungsreich und reicht von der Themen- und Seitenplanung über Recherchetermine bis hin zum Redigieren und Titeln. An den restlichen Tagen treibe ich das Angebot von musicsupporter.de voran. Als Selbstständiger lernt man früh, mit mehreren Bällen zu jonglieren. Alles selbst und das ständig – das geflügelte Wort stimmt.

Was haben Sie, resümierend betrachtet, in Ihrem Studium aber auch in Ihrem außeruniversitären Engagement gelernt, was Ihnen bei Ihrer aktuellen Tätigkeit von Nutzen ist?

Die lehrreichste Zeit war die praktische Ausbildung an der DJS sowie die daran anknüpfenden Praktika und freien Mitarbeiten. Journalismus ist Handwerk, das will gelernt sein. Die Begabung zum Schreiben hat man oder hat man nicht – auch wenn man an der Schreibe feilen kann (und das immer tun sollte). Die Uni lehrte mich im wissenschaftlichen Arbeiten. Man lernt dort, sich für Tiefgang und Genauigkeit zu begeistern.

Was würden Sie Studenten / Absolventen raten, die einmal in Ihrem Beruf / Ihrer Branche tätig werden wollen? Was sollen sie beachten?

Viele raten ja inzwischen vom Journalismus ab, weil die Berufsaussichten so schlecht seien. Ich plädiere dafür, immer auf sein Herz zu hören. Wer sich berufen fühlt, zu schreiben, zu informieren und unterhalten, Geschichten zu erzählen und mit Menschen zu kommunizieren, der soll das unbedingt machen! Wer gut ist in dem, was er tut, wird auch Arbeit finden. Immer. Das Wichtigste ist Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, immer an sich und seiner Schreibe zu arbeiten. Das hört nie auf.

Würden Sie aus heutiger Sicht gesehen noch einmal Ihre Fächer studieren? Oder würden Sie sich dieses mal für etwas anderes entscheiden?

Die DJS würde ich jederzeit wieder liebend gerne besuchen. Was das Studium und meine Fächerkombination betrifft, so würde mich womöglich anders entscheiden. Ich glaube, es ist sinnvoller, sich Spezialwissen draufzuschaufeln, auf dem man seine journalistische Karriere aufbauen kann.


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