Interview mit Frau Dr. Huberta Weigl, Schreibcoach und Autorin

Huberta Weigl
Huberta Weigl

Frau Weigl, Sie haben BWL und Kunstgeschichte studiert. Warum haben Sie sich gerade für diese Fächer entschieden?

Schon als Jugendliche bin ich gerne gereist, ich habe mich für Kunst interessiert und mir gerne Dinge angeschaut. Zudem hatte ich in den letzten beiden Schulstufen einen Zeichenlehrer, der es wirklich verstanden hat, mich für Kunstgeschichte zu begeistern. Als ich dann mit 18 vor der Entscheidung stand, was ich studiere, war für mich klar, dass es Kunstgeschichte sein sollte. Weniger klar war mir, zu welchen Beruf das einmal führen würde. So habe ich beschlossen, auch BWL zu studieren. Ich habe mir gedacht, dass sich das Fach mit der Kunstgeschichte später einmal gut beruflich kombinieren lässt und vom Studium her sehr vielfältig ist, was es dann auch war.

Ist Ihr Studium so verlaufen, wie Sie es sich anfangs vorgestellt haben? Gab es Enttäuschungen oder Überraschungen?

Ich hatte am Anfang wenige konkrete Vorstellungen. Wirkliche Enttäuschungen oder Überraschungen habe ich nicht erlebt.

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Ich habe fast bis zum Ende des Studiums zu Hause gelebt und nebenbei immer gejobbt.

Haben Sie sich während Ihres Studiums nebenher engagiert?

Ich habe schon in der Schulzeit begonnen, leistungsmäßig Handball zu spielen. Den Sport habe ich dann auch während des Studiums weiter ausgeübt. Parallel dazu habe ich eine Kinderhandballgruppe betreut. Das habe ich gemacht, weil es mir Freude gemacht und etwas Geld gebracht hat. Außerdem hat es mir immer schon Freude bereitet, Wissen weiterzugeben. Das zieht sich wie ein roter Faden durch meinen beruflichen Werdegang. Ich vermittle gerne Wissen in einer klaren und verständlichen Form und zwar so, dass das alles auch Spaß macht.
Sonst habe ich verschiedene Praktika im Bereich der Kunstgeschichte und der Wirtschaft absolviert. Das habe ich aus Interesse gemacht und um Erfahrung zu sammeln und um meinen Lebenslauf aufzupeppen.

Hatten Sie schon im Studium eine Vorstellung davon, welchen Beruf Sie später einmal ergreifen möchten?

Nein, gar nicht. Ich wusste nur, was mich interessiert und was nicht.

Wie viele Semester haben Sie studiert?

Ich habe zuerst mit dem BWL-Studium begonnen und ein Semester später dann die Kunstgeschichte dazu genommen. Für beide Studien zusammen habe ich 10 Jahre gebracht. Die Mindeststudiendauer pro Fach wären 4 Jahre gewesen. Ich war also nicht schnell unterwegs …

Sind Sie der Meinung, dass man ein Studium möglichst schnell und diszipliniert abschließen sollte um so früh wie möglich in den Arbeitsmarkt einzusteigen oder sollte man die Unizeit nutzen, um sich selbst auszuprobieren und auch einmal über den Tellerrand zu schauen?

Ich halte es für ganz wichtig, nebenbei Erfahrungen zu sammeln und sich Zusatzqualifikationen anzueignen. Egal, welches Fach man studiert, es gibt zig Absolventen, und man sollte schauen, dass man sich von den anderen irgendwie abhebt.

Nach Ihrem Studium haben Sie sich der kunsthistorischen Forschung gewidmet und promoviert. Aktuell sind Sie aber wieder als Unternehmerin tätig mit Ihrer Firma „Schreibwerkstatt“. Haben Sie von Ihrer Promotion beruflich gesehen profitiert?

Ich habe noch während meines Studiums an einem kunsthistorischen Forschungsprojekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gearbeitet. Als ich dann fertig war, hatte ich eine Assistentenstelle am Institut für Kunstgeschichte an der Universität Wien. Auf dieser Stelle habe ich promoviert (was zum Teil extrem stressig war).
Ich habe mich durch die Promotion als Wissenschaftlerin sehr weiterentwickelt. Dieses Wissen kommt mir heute zu Gute, wobei ich in meinem Fall die Zeit der Promotion eben nicht von der Zeit als Assistentin trennen kann. Ich habe Vorträge gehalten und war voll in der Lehre tätig, habe also Wissen vermittelt – und das mache ich letztendlich auch heute.

Was genau bieten Sie im Rahmen Ihrer Schreibwerkstatt an? Bzw. wie kann man sich einen Arbeitstag von Ihnen vorstellen?

In der „Schreibwerkstat“ biete ich Unterstützung für alle, die im Studium oder beruflich schreiben und ihre Schreibkompetenz verbessern möchten oder Hilfe bei ihrem Schreibprojekt brauchen. Das können Studierende sein, die zum Beispiel nicht wissen, wie man ein Exposé schreibt, die Probleme mit der Gliederung haben oder gar in einer Schreibblockade stecken. Im beruflichen Kontext unterstütze ich Menschen beim Texten von Webseiten, Bewerbungsschreiben, Newslettern etc. Ich halte aber auch Workshops, in denen es darum geht, wie man klar und verständlich formuliert. Letztendlich zeige ich meinen Kundinnen und Kunden Wege auf, wie Sie mit den geeigneten Methoden ihre Schreibziele erreichen. Im Businessbereich übernehme ich auch die Texterstellung als Ganzes. Ein absolutes Tabu ist für mich akademisches Ghostwriting.

Jeder Arbeitstag sieht bei mir anders aus. Manchmal habe ich Workshops, ein anderes Mal bin ich mit dem Texten befasst. Darüber hinaus stecke ich gerade selbst noch in einem großen Buchprojekt, einer Monografie über den Barockbaumeister Jakob Prandtauer.
Tja, und als Selbständige ist man natürlich permanent auch mit Kundenakquise beschäftigt – vor allem wenn man, wie ich, eben erst gestartet ist. Viele mögen das nicht, mir macht es aber Spaß, dennoch ist es immer eine Herausforderung.
Was ich am selbständigen Arbeiten besonders mag, ist die Tatsache, dass ich meine Ideen ungebremst umsetzen und kreativ arbeiten kann. In meiner Assistentenzeit an der Uni wurde mir oft erklärt, was alles nicht geht. Mich interessiert aber, was geht!

Sie haben kürzlich an dem Mentoring Programm der Uni Wien teilgenommen, das Akademiker auf dem Weg zur Selbständigkeit unterstützt. Welche Erfahrungen haben Sie als Geisteswissenschaftlerin dort gemacht?

Ich habe an U:Start teilgenommen. Das ist ein Mentoring-Programm, das Akademiker auf den Weg in die Selbständigkeit unterstützt. Wir hatten zahlreiche Kurse (Marketing, Buchhaltung etc.) mit dem Ziel, einen Businessplan zu schreiben, und jede/r von uns hatte einen persönlichen Mentor. Im Rahmen des Programms, das ein Jahr gedauert hat, habe ich die „Schreibwerkstatt“ so richtig auf die Beine gestellt. Schreibkurse habe ich schon davor zwei Jahre lang angeboten, aber das war mehr ein Nebenschauplatz. Ich habe in dem einen Jahr mein Angebot präzisiert und sehr genau meine Zielgruppen definiert. Ich weiß jetzt genau, wie ich es angehe und wohin ich will.

Was würden Sie Studenten / Absolventen raten, die einmal in Ihrem Beruf / Ihrer Branche tätig werden wollen?

KunsthistorikerInnen bzw. GeisteswissenschaftlerInnen würde ich generell raten, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Das muss nicht unbedingt gleich ein zweites Studium sein, aber auf jeden Fall sollte man schauen, dass man mehr als nur ein Fach „im Repertoire“ hat.
Zudem halte ich es für wichtig, ins Ausland zu gehen (ich selbst war ein Jahr an der FU Berlin) oder zumindest einmal die Uni zu wechseln. Ich habe aber den Eindruck, dass die deutschen Studierenden so und so sehr mobil sind. In Österreich absolvieren viele Studierende das gesamte Studium an einem Ort. Das ist nicht optimal.
Unabhängig vom Fach sollte man außerdem schon während des Studiums durch Jobs oder Praktika Kontakte zur Berufswelt knüpfen. Ferner würde ich sagen, dass man offen sein und engagiert studieren sollte. Wer das macht, auf denjenigen kommen die Chancen schon zu. So habe ich es zumindest erlebt.

Würden Sie aus heutiger Sicht gesehen noch einmal Ihre Fächerkombination studieren? Oder würden Sie sich dieses Mal für etwas anderes entscheiden?

Puh, eine schwierige Frage! Die 10 Studienjahre plus Promotionsjahre waren nicht immer ein Honiglecken, und ich bin das alles nicht wirklich strategisch angegangen. Vielleicht würde ich heute ein Kunstgeschichtsstudium machen und dann eine kürzere BWL- oder eine Projektmanagementausbildung.

Welche Bedeutung hat das Thema „Lernen“ heute für Sie?

Ich lerne permanent dazu und entwickle mich weiter. Viele Menschen sind mit Mitte 40 schon „angekommen“. Dieses Gefühl habe ich gar nicht!. Das hat aber bestimmt auch damit zu tun, dass ich gerade den Weg einer akademischen Karriere (mit geplanter Habilitation) bzw. den Weg einer reinen Wissenschaftlerlaufbahn verlassen und mein eigenes Unternehmen, die „Schreibwerkstatt“ gegründet habe. Es macht mir sehr viel Spaß, meine verschiedenen Standbeine bzw. Ausbildungen zu verbinden.
Aktuell plane ich ab Herbst eine knapp einjährige Ausbildung als Social Media Managerin. Das Thema fasziniert mich, und ich denke, dass auf diesem Gebiet in Zukunft großer Beratungsbedarf gegeben sein wird. Social Media-Beratung wird also dann nächstes Jahr Teil meines Angebots in der Schreibwerkstatt sein.


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