Wo genau können GeisteswissenschaftlerInnen eigentlich überall tätig werden? Welche Branchen und Berufe eignen sich besonders? Diese Fragen bekomme ich immer und immer wieder gestellt. Viele meiner LeserInnen oder BesucherInnen meiner Vorträge und Workshops sehnen sich förmlich danach, dass ihnen jemand ein wenig Orientierung schenkt. Einen Rahmen absteckt, in dem man dann auf Jobsuche gehen kann.

Meine Antwort fällt dann wohl möglich für den ein oder anderen etwas enttäuschend aus, denn ich bin der Meinung, dass GeisteswissenschaftlerInnen nahezu überall arbeiten können. Natürlich nicht in jedem Beruf, dafür aber in fast jeder Branche.

GeisteswissenschaftlerInnen können überall arbeiten

Selbstverständlich gibt es ein paar „klassische“ Berufsfelder für GeisteswissenschaftlerInnen, die gern als mögliches Tätigkeitsfeld genannt werden, beispielsweise der Journalismus, das Verlagswesen, die Medienbranche oder die Kulturwirtschaft. Wer hier ganz allgemein nach Orientierung sucht, wird beispielsweise in entsprechenden Ratgebern wie „Berufsfelder für Geisteswissenschaftler. Ein Leitfaden für Studierende und Arbeitgeber“ von der Uni Würzburg und der IHK oder „Vielfalt bringt Erfolg – Berufliche Perspektiven für Geistes- und Sozialwissenschaftler“ des Career Services der TU Chemnitz fündig.

Natürlich gibt es auch Ratgeber in Buchform, die sich mit dem Thema beschäftigen, wie beispielsweise „Arbeitsmarktchancen für Geisteswissenschaftler„oder „Der optimale Berufseinstieg. Perspektiven für Geisteswissenschaftler„.

Einzelnen Berufen, die teilweise auch noch relativ unbekannt sind (Beispiel: Münzkundler oder Bibliotherapeutin) widmet sich Dr. Mareike Menne auf Ihrem Blog Brotgelehrte. Wer also nach frischen Ideen und Inspirationen sucht, der sollte sich öfter mal Mennes Rubrik GeisteswissenschaftlerInnen in der freien Wirtschaft anschauen.

Aber um auf meine anfängliche These noch einmal zurück zu kommen: ich bin fest davon überzeugt, dass Geisteswissenschaftler auch in „fachfremden“ Branchen gefragt sind. Beispiele gefällig? Sehr gerne!

Einige der Ausschreibungen werden in den kommenden Tagen vermutlich nicht mehr abrufbar sein. Mir geht es hier aber auch nicht darum, euch einen direkten Job zu vermitteln, sondern aufzuzeigen, dass GeisteswissenschaftlerInnen in den verschiedensten Branchen gesucht werden. Und ich hätte diese Liste mit Leichtigkeit noch um etliche Stellen mehr erweitern können.

Konsequent auf interessante Jobs bewerben

Häufig sind die genannten Jobs an Menschen gerichtet, die ein abgeschlossenes Studium im Bereich Marketing / Geisteswissenschaften / Kommunikationswissenschaften oder Journalismus haben. Und selbst wenn eure Studienrichtung nicht in der Jobbeschreibung erwähnt wird – merkt euch eins: Es ist nicht wichtig, was ihr studiert habt, sondern ob ihr euch zutraut den Job zu machen und die nötigen Fähigkeiten dafür mitbringt. Am Ende wollen die Arbeitgeber nicht AbsolventInnen dieser oder jener Fachrichtung, sondern professionelle MitarbeiterInnen, die sie in ihrem Tagesgeschäft unterstützen und ihren Job gut machen.

Wer sich also vorstellen kann, nach dem Studium auch in fachfremden Branchen tätig zu werden, dem stehen wirklich viele Türen offen. Recherchiert doch einfach mal ein paar Stellenausschreibungen, sei es auf StepStone oder in dem Heft WILA Arbeitsmarkt des Wissenschaftsladens Bonn und schaut euch an, welche Jobs ausgeschrieben sind, welche Jobs euch wiederum ansprechen und welche Qualifikationen BewerberInnen mitbringen müssen. So bekommt ihr nicht nur eine gute Übersicht, was alles möglich ist, sondern seht auch, welche Skills ihr euch während des Studiums noch aneignen solltet bzw. welche Praktika sinnvoll wären.

Und noch ein kleiner Hinweis am Rande: Ich gehe mal stark davon aus, dass das Gehalt bei Bosch oder der Deutschen Bahn attraktiver sein wird, als bei einer Kultureinrichtung, die sich aus Spenden und von öffentlichen Geldern finanziert. 😉