Arbeit ist nicht unser Leben

Arbeit ist nicht unser Leben GeisteswirtschaftAufmerksame Leser fragen sich jetzt vielleicht: Hä? Ein Blog, der sich mit dem Thema GeisteswissenschaftlerInnen in der Wirtschaft auseinandersetzt und über den Berufseinstieg informiert, stellt jetzt ein Buch mit dem Titel „Arbeit ist nicht unser Leben“ vor? Wie passt das zusammen?

Berechtigte Frage! Tatsache ist, dass ich im Laufe der Jahre, in denen ich diesen Blog hier nun führe, immer mehr gemerkt habe, dass es mit klassischen Tipps zum Berufseinstieg nicht getan ist. Ratschläge rund um die Bewerbung usw. sind schön und gut und auch wichtig, aber das Thema Berufseinstieg, insbesondere für Geisteswissenschaftler, ist viel facettenreicher und tiefgründiger. Wie bereits zu Beginn des Jahres angekündigt, möchte ich hier keine Ratschläge geben, wie man möglichst marktkonform wird, sondern wie man seine Stärken und Kenntnisse so einsetzen kann, dass man seine persönliche Ziele erreicht, egal ob das bedeutet Karriere zu machen oder möglichst viel Freizeit zu haben.

Eure Reaktionen auf meine Stellungnahme zu dem taz-Artikel „400 Bewerbungen und kein Job?“ haben mir gezeigt, dass ihr auf der Suche nach Antworten seid. Was kann man tun gegen die miese Bezahlung auf dem Arbeitsmarkt? Was tun, gegen den Optimierungswahn? Was tun, um aus dem Hamsterrad zu entkommen oder am besten gar nicht erst einzusteigen? Was tun, wenn man trotz bester Ausbildung keinen Job findet?

Mich beschäftigen diese Fragen auch sehr und ich bin, wie ihr, ebenfalls auf der Suche nach Antworten. Dabei fiel mir das Buch „Arbeit ist nicht unser Leben“ von Alix Faßmann in die Hände. Ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen, weil es genau die Themen angesprochen hat, die mich so sehr beschäftigen. Aber worum geht es eigentlich? Der Verlag Bastei Lübbe schreibt über das Buch:

Alix Faßmann, Jahrgang 1983, arbeitet seit 2003 als Journalistin und Autorin. Nach ihrem Studium der Sozialwissenschaften absolvierte sie ihr Volontariat beim Berliner Kurier, wo sie anschließend als Redakteurin angestellt war. 2010 wurde sie von einer großen Volkspartei angeworben und arbeitete als parteilose Redakteurin an der Entwicklung einer neuen Kommunikationsplattform. Doch weil die es mit dem Wandel nicht ernst meinten, hängte sie die Spitzenkarriere an den Nagel und machte sich im Wohnmobil auf den Weg nach Süditalien. Dort, wo das typisch deutsche Sicherheitsdenken und die Arbeiten-bis-zum-Umfallen-Mentalität unbekannt sind, entwickelte sie neue Sichtweisen auf scheinbar festgeschriebene Realitäten. Als sie nach einem Jahr nach Berlin zurückkehrte, gründete sie zusammen mit dem Dramaturgen Anselm Lenz das Haus Bartleby – Zentrum für Karriereverweigerung.

So weit die Geschichte in Kürze. Was nach einem Selbstfindungstrip klingt ist in Wirklichkeit eine humorvolle, gut geschriebene und vor allem aufschlussreiche Abrechnung mit unserem heutigen Arbeitsmarkt oder noch viel mehr: unserer heutigen Arbeitsmoral. In vielen Situationen erkennt man sich als Leser wieder und alle paar Seiten gab es ein stilles Nicken von mir, so sehr konnte ich unterschreiben, was ich dort las.

Die ultimative Antwort auf alle berennenden Fragen unserer Zeit kann Alix Faßmann natürlich auch nicht geben (wer kann das schon?). Aber sie macht sich durchaus Gedanken, was man (bereits im kleinen) tun kann, um der Arbeit eine neue Bedeutung in unserem Leben und unserer Gesellschaft zu geben. Und vor allem: wie der Ausstieg aus dem Hamerrad aussehen kann. Oder wie Faßmann es formuliert: „Ich will an das Selbstbewusstsein der Leute und die eigene Fähigkeit zu denken appellieren. Es geht um Selbstermächtigung.“ Chapeau!

Arbeit ist nicht unser Leben: Anleitung zur Karriereverweigerung
von Alix Faßmann
272 Seiten // 12,99 € // ISBN: 978-3785761045

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