#bloggerfuerfluechtlinge: Was du für Flüchtlinge und gegen Rassismus tun kannst

Auf den ersten Blick hat dieser Blog hier rein gar nichts mit der aktuellen Flüchtlingsdebatte und dem teils offen ausgelebten Rassismus in Deutschland zu tun. Hier geht es schließlich um Geisteswissenschaftler, wie diese den Sprung in die Wirtschaft schaffen und was sich sonst noch so auf dem Arbeitsmarkt und in den Geisteswissenschaften tut.

Auf den zweiten Blick hat dieser Blog jedoch sehr viel mit dem Thema Fremdenhass zu tun. „Warum das?“ wirst du dich nun vielleicht fragen. Aus zwei Gründen:

Erstens: Ich weiß was es bedeutet Rassismus zu erfahren.

Ich komme aus einer multikulturellen Familie: mein Opa ist Italiener und mein Onkel ist Türke. Für mich ist es das Normalste der Welt, dass meine Familie so bunt gemischt ist. Allerdings hat sie seit ich denken kann auch Rassismus erfahren. Das fängt bei dummen Sprüchen und Vorurteilen im Alltag an (z.B. von Arbeitskollegen, Kunden, Nachbarn), geht über Beschimpfungen und Ausgrenzung bis hin zu körperlicher Gewalt. Für mich hat das zur Folge, dass ich von klein auf dafür sensibilisiert wurde, was für eine hässliche Fratze Rassismus hat und wie wichtig es ist, sich für Menschen einzusetzen, die ausgegrenzt, beleidigt oder angegriffen werden, egal ob es wegen ihrer Nationalität, Sexualität, Religion oder ihrer schiefen Nase ist.

Zweites: Die aktuelle Debatten um Flüchtlinge und Rassismus sind auch eure Debatten.

Das die Geisteswissenschaften sich aus einer Vielzahl an Fächern und Fachbereichen zusammensetzen, führt natürlich dazu, dass es immer etwas schwer ist, verallgemeinernde Aussagen über Geisteswissenschaftler zu treffen. Trotzdem behaupte ich mal, dass ein Großteil von euch über fundiertes Wissen in Politik, Geschichte, Philosophie und Sprache verfügt. Begleitet von Kompetenzen wie interkulturelle Kommunikation, ein hoher Grad an Reflexionsvermögen, Kenntnisse um Quellenerschließung und -nutzung sowie die Fähigkeit zur Analyse. Gerade ihr seid es, die sich auf Grund ihres Wissens und ihrer Kompetenzen in die aktuellen Debatten einmischen sollten. Ihr habt das Handwerkszeug um Vorurteilen und rechtem Populismus entgegen zu treten und die vermeintlichen Argumente des braunen Mob auszuhebeln. Oft klagen Geisteswissenschaftler, dass sie von den Medien so selten als Experten gefragt werden, wenn es um gesellschaftliche Debatten geht. Dabei ist genau jetzt die Zeit um sich einzumischen!

Wir müssen lauter sein

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich schaue mit Entsetzen auf die aktuellen Entwicklungen. Auf die rechte Hetze, der man täglich in den sozialen Netzwerken begegnet. Auf die Angriffe gegenüber Flüchtlingen und deren Unterkünften. Und nicht selten schäme ich mich dafür, welche Seite Deutschland hier gerade von sich zeigt. Ich möchte in keinem Land leben, in dem rechte Meinungen oder sogar Übergriffe geduldet werden.

Wenn der braune Mob schreit, dann müssen wir lauter sein.

Was du tun kannst

Aktuell läuft die Innitiative #bloggerfuerfluechtlinge, die mich auch dazu bewogen hat, diesen Beitrag hier zu schreiben und Stellung zu beziehen. Zum einen geht es darum klar zu machen, warum es wichtig ist, dass wir den Flüchtlingen helfen und zum anderen Wege aufzuzeigen, wie man denn nun ganz konkret helfen kann.

Geldspenden

Einer der wohl bequemsten Wege ist: Geld spenden. Viele von uns machen das vielleicht ungern, entweder weil sie selbst nicht viel haben, oder aber weil sie unsicher sind, ob das Geld überhaupt sinnvoll investiert wird. Auf der Spendenplattform betterplace.org läuft gerade die Spendenaktion „Blogger für Flüchtlinge – Menschen für Menschen“. Die dort gespendeten Gelder kommen allesamt unterschiedlichsten Projekten zugute, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Wer oder was genau unterstützt wird, kann man auf der Projektseite nachlesen. Ich habe heute 20 Euro an die Initiative gespendet und würde mich freuen, wenn der ein oder andere von euch nachziehen würde. :)

Sachspenden

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, hat oft nicht mehr bei sich, als er oder sie am Körper trägt. In vielen Städten gibt es daher mittlerweile spezielle Kleiderkammern, in denen Flüchtlinge mit neuer Kleidung versorgt werden und die auf die Spenden der Bevölkerung angewiesen sind. Ich habe erst kürzlich meinen Kleiderschrank ausgemistet. Dabei habe ich zwei volle IKEA-Tüten aussortiert. Zuerst hatte ich vor, die Klamotten im Internet und auf dem Trödelmarkt zu verkaufen. Dann bekam ich über meine Uni eine E-Mail mit dem Aufruf, Kleidung an die Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe zu spenden. Also habe mich entschlossen, alles zu verschenken.

Erkundige dich einfach, in wie weit es solche Initiativen und Anlaufstellen auch in deiner Stadt gibt und was genau vor Ort gebraucht wird. Neben Kleidung, Taschen und Schuhen, werden auch gern Hygieneartikel oder Spielzeug genommen.

Ehrenamtliches Engagement

Es gibt ganz viele Möglichkeiten, wie man sich aktuell ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren kann. Das beginnt bei Kinderbetreuung, geht über die Mithilfe bei Einrichtungen wie Kleiderkammern und Cafés bis hin zu Sprachunterricht. Und letztes dürfte für uns Geisteswissenschaftler ja wohl kaum ein Problem sein. Also ihr Rechtschreibfreaks und Interpunktionsfetischisten: anstatt bei Gesprächen immer nur die Grammatikfehler eures Gegenübers im Kopf zu berichtigen, könnt ihr mit eurem Wissen mal was wirklich sinnvolles anfangen und Flüchtlingen Sprachunterricht geben. ;)

Den Mund aufmachen

Einer der, meiner Meinung nach, wichtigsten Punkte ist: mach den Mund auf, wann immer du Zeuge davon wirst, dass jemand auf Grund seiner Nationalität (Religion, Sexualität, etc.) diskriminiert wird. Ich finde, Menschen, die zusehen und nichts tun, wenn unmittelbar in ihrer Gegenwart oder in ihrem Umfeld andere Menschen diskriminiert werden, sind genau so schlimm wie die, die aktiv andere diskriminieren. Weggucken ist mitmachen! Meine Familie hätte sich gefreut, wenn im Laufe der Jahre mehr Menschen dazwischen gegangen wären, als sie dem Rassismus irgendwelcher Kollegen, Kunden, Bekannten, Nachbarn oder auch Fremden ausgesetzt waren. Und die Zahl derer, die tatsächlich etwas gesagt haben, ist bis heute erschreckend gering. Rassismus wird noch immer in hohem Maße geduldet in unserer Gesellschaft. Zwar posten alle wie wild auf Facebook, wie tolerant sie sind und liken alles mögliche, das sich gegen Rassismus ausspricht. Wirklich Eier in der Hose hast du aber erst dann, wenn du auch im wahren Leben, im Alltag, Stellung beziehst. Und ich meine damit nicht, dass man sich allein einem wütendem Mob Neonazis in den Weg stellen soll, sondern dass man verbal eingreifen soll, wenn andere Menschen diskriminiert werden. Auf der Arbeit. An der Uni. Auf der Party. In der Bahn. An der Supermarktkasse. Völlig egal wo. Aber es wird Zeit, dass wir den Menschen, die ihre rechten Parolen und verachtenden Sprüche gern unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit kundtun („Das wird man ja noch mal sagen dürfen….“) Grenzen aufzeigen.

Gianna

 

Kleiner Nachtrag:

Eine Leserin hat mich auf diesen tollen Blog aufmerksam gemacht: http://gefluechtet.de. Dort heißt es: „In einer solchen Zeit, in der eine gesellschaftliche Debatte kaum stattfindet, weil Argumente nicht gehört werden, haben wir uns als Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen entschlossen, uns zu Wort zu melden. Wir wollen dabei keinen Beitrag zur Debatte leisten, sondern einen Beitrag für eine Diskussion, die lange überfällig ist.“ Unter http://gefluechtet.de/wp/was-tun-2/ findet man darüber hinaus tolle Anregungen, wie genau man wo aktiv werden und helfen kann.

 

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There are 2 comments

  1. Marcello Buzzanca

    Hallo Gianna,

    wollte mich kurz bei Ihnen bedanken, da ich erst durch Ihren tollen Blogpost auf die bloggerflüchtlinge-Initiative gestoßen bin und meinen Blog und mein Statement auch gleich dort registriert bzw. gepostet habe. Und das kann ich auch allen anderen empfehlen, die mit ihrem Blog zeigen, dass sie keinen Bock auf Pack und rechten Mob haben!

    VG
    Marcello Buzzanca

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