Interview mit Christian Götz und Thomas Brandt von der Schreiberei Eder

Christian Götz

Christian Götz

Thomas Brandt

Thomas Brandt

Herr Götz, Herr Brandt, sie beide sind die Gründer und Geschäftsführer der Schreiberei Eder. Bevor ich näher auf Ihre Arbeit eingehe, würde mich zuerst Ihr Studium interessieren. Was haben Sie studiert und warum haben Sie sich gerade für diese Fächer entschieden?

Götz: Ich habe in Würzburg Germanistik, Politikwissenschaften und Soziologie studiert (für das Lehramt an Gymnasien „Deutsch/Sozialkunde“) und 2007 mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen. Die Studienwahl basierte weder auf reiflichen Überlegungen noch auf dem dringenden Wunsch, Schülern später die deutsche Literatur schmackhaft zu machen. Nach dem Zivildienst, dem Handel mit Autoteilen und einem einsemestrigen Ausflug in die Medizin fühlte ich mich beinahe magisch angezogen von der Möglichkeit, meinen Blick auf die Menschheit aus einer eher betrugs- und geruchsarmen Perspektive zu schärfen. Manche sagen auch „Elfenbeinturm“ dazu oder „Grandhotel Abgrund“.

Brandt: Ich habe in Würzburg Neuere Deutsche Literaturwissenschaft im Hauptfach sowie Ältere Germanistik und Politische Wissenschaft in den Nebenfächern auf Magister studiert. Da ich schon vor meinem Studium nebenher als Journalist für verschiedene Tageszeitungen und Medien arbeitete, erschien mit diese Fächerkombination am geeignetsten, um später in diesem Bereich Fuß fassen zu können. Daneben bestand wie es so schön heißt „schon immer“ ein großes Interesse für Deutsche Sprache und Literatur, zumal ich mich auch selbst an Gedichten, Kurzgeschichten sowie Poetry Slams versucht habe – Letzeres sogar mit beachtlichem Erfolg.

Ist Ihr Studium so verlaufen, wie Sie es sich anfangs vorgestellt haben? Gab es Enttäuschungen oder Überraschungen?

Götz: Gottlob hatte ich mir nichts vorgestellt, sondern bin einfach reingegangen. Andernfalls wäre der Schock wohl noch größer gewesen, den ich bereits in der ersten Veranstaltung hatte. Da saß vorne ein Dozent und erzählte irgendwas von Heinses „Ardinghello“. „Ham se nicht gelesen? Ach herrje – hatte Oswald Spengler schon recht.“ Oswald Spengler? „Der Untergang des Abendlandes – kenn se auch nicht? Ei der Daus!“ Dass ausgerechnet dieser Dozent langfristig den Ausschlag geben sollte, mein Studium bis zum Schluss durchzuziehen, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Brandt: Die größte Überraschung war, dass man sich ab dem ersten Tag wirklich um alles selbst kümmern musste. Wo melde ich mich für das Seminar an, wann sind die Prüfungen, welche Scheine benötige ich? Das war sicher eine Eigenheit des Magister-Studiengangs und hat sich durch den Bachelor inzwischen überlebt. Inhaltlich verlief das Studium im Prinzip so, wie ich es mir vorgestellt hatte – mit Ausnahme des schon von Christian erwähnten, sehr prägenden Dozenten im Bereich Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, der seine Seminare stets abseits der üblichen 0815-Lehrtätigkeit völlig unkonventionell aufbereitete. Dieses Proseminar habe ich dann auch 7 Semester lang gehört, weil es mich jedes Mal aufs Neue beeindruckte.

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Götz: Durch meine sehr geduldigen und toleranten Eltern, diverse Ferienjobs u.a. als Ausfahrer in einer Elektromotorenwickelei und ab dem zweiten Semester zusätzlich durch Jobs als wissenschaftliche Hilfskraft sowie später auch als Tutor in der Altgermanistik.

Brandt: Den Großteil finanzierte ich mithilfe meiner Eltern, daneben verdiente ich mir durch die freiberufliche Arbeit als Redakteur bei einer Tageszeitung etwas dazu.

Haben Sie bereits neben Ihrem Studium gearbeitet oder sich ehrenamtlich engagiert? Wenn ja, welche Erfahrungen konnten Sie dabei sammeln, von denen Sie persönlich, im Studium oder auch jetzt im Job profitiert haben?

Götz: Natürlich vermittelte der „HiWi“-Job äußerst hilfreiche Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb, dem ich ja nach Abschluss des Studiums noch einige Zeit angehören sollte. Mein ehrenamtliches Engagement beschränkte sich hauptsächlich auf das Verfassen politisch nicht immer ganz korrekter Leserbriefe, in denen ich mich für den Erhalt einer stillgelegten Bahnlinie in meiner Heimat aussprach. Die brauchbarste Erfahrung für mich persönlich wie auch für Studium und Arbeit war jedoch die Erkenntnis, dass ein gewisser Grundhumor beim Blick auf Dinge und Menschen inklusive sich selbst in sämtlichen Lebenslagen der beste Lebensbegleiter ist, den man sich vorstellen kann. Hören Sie sich das Lied „Gretel und Kasperle“ von Reinhard Mey an, dann wissen Sie, was ich meine.

Brandt: Schwierige Frage. Wie gesagt, ich arbeitete bereits seit meinem 16. Lebensjahr immer wieder für unsere lokal ansässige Tageszeitung. Dabei wurde sicherlich so etwas wie ein Grundstein für meine „Laufbahn“ im Bereich Redaktion/Text gelegt, aber davon genaue Bezüge zu heute herzustellen würde ich dann doch für etwas übertrieben halten.

Hatten Sie schon im Studium eine Vorstellung davon, welchen Beruf Sie später einmal ergreifen möchten?

Götz: Selbstverständlich schwebte da anfangs irgendwo die Vorstellung des Lehrer-Beamtendaseins im Raum, zumal auch meine Eltern Lehrer waren. Im Verlauf des Studiums verlor das jedoch mehr und mehr an Bedeutung. Insbesondere, weil mich die Materie Literatur tatsächlich zunehmend faszinierte. Es entwickelte sich eine gewisse Liebe zum Gegenstand; und Literatur steht ja nicht nur in Büchern, sie findet sich im Theater, in Verfilmungen, im Liederabend und und und. Ich bin dem oben genannten Dozenten bis heute dankbar, dass er vor allem auf diese Aspekte der Literatur großen Wert gelegt und uns Studenten regelmäßig ins Theater „geschleppt“ hat. Umso mehr wurde jedoch auch die Vorstellung unwirklicher, diesen Gegenstand einst 40 Jahre lang einem Schülerpublikum „verkaufen“ zu müssen …naja, ich war schon immer sehr stark im Hier und Jetzt verankert – das machte es mir leichter, den Gedanken an „später“ einfach zu verdrängen – vor allem, während der Didaktikveranstaltungen.

Brandt: Mir war eigentlich klar, dass ich in die journalistische Ecke gehen wollte. Daneben waren auch Berufe wie Werbetexter oder – tatsächlich immer noch mein Traumberuf – Schriftsteller in der engeren Auswahl. Aber Journalist erschien mir zumindest während meines Studiums die realistischste Option :)

Wie viele Semester haben Sie studiert? Sind Sie damit zufrieden?

Götz: Inklusive der medizinischen Verirrung waren es 12 Semester. Gottlob hatte ich noch diese Freiheit. Das heutige System lässt das wohl kaum noch zu. Ein Armutszeugnis.

Brandt: Ich habe in achteinhalb Semestern und damit unter der Regelstudienzeit abgeschlossen. Da meine Eltern schon zu meinem Studienbeginn etwas älter waren, wollte ich möglichst zügig einen Beruf ergreifen, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Im Nachhinein hätte ich gern etwas länger (und oft einfach auch ernsthafter) studiert.

Sind Sie der Meinung, dass man ein Studium möglichst schnell und diszipliniert abschließen sollte um so früh wie möglich in den Arbeitsmarkt einzusteigen oder sollte man die Unizeit nutzen, um sich selbst auszuprobieren und auch einmal über den Tellerrand zu schauen?

Götz: Eine Suggestivfrag :) – aber wie Sie meiner vorigen Antwort schon entnehmen können: Ich bin ein erklärter Gegner des modularisierten Studiums, dessen einziges Ziel darin besteht, die Menschen möglichst früh in den Arbeitsmarkt zu katapultieren. Abgesehen von der fachlichen Kompetenz bleibt dabei meiner Ansicht nach auch die charakterliche Bildung auf der Strecke. Den Studenten wird von Beginn an als dominanter Ratgeber die Angst an die Hand gegeben. Die Angst, den Schnitt bzw. Schein nicht zu schaffen inklusive aller Konsequenzen – immer begleitet von der Grundangst, den allselig machenden Arbeits-und Konsum-D-Zug zu verpassen. Ob Geistes- oder Naturwissenschaften: Das betrifft sämtliche Bereichen der Wissenschaft. Dabei sollten wir es doch besser wissen: Angst ist ein schlechter Ratgeber, „Angst essen Seele auf“ – und Kreativität. Und eben Letztere war es, die unser Land einst so erfolgreich gemacht hat; die uns Patente bescherte, von denen wir bis heute zehren. Weil es Menschen gab, die quer dachten; die sich eingefahrenen Denkmustern widersetzten und Selbstverständlichkeiten in Frage stellten. Was nutzt uns in der Naturwissenschaft der hunderttausendste Ingenieur, der den Benzinmotor verfeinert? Was nutzt uns der hunderttausendste Systemtheoretiker in der Politikwissenschaft, der zwar gelernt hat, zu konstatieren, aber nicht über die Kompetenz verfügt, das System – so sakrosankt es auch scheint – zu hinterfragen? Und was nutzen uns Germanisten, die dieses Studium hauptsächlich zum Zweck eines späteren Beamtendaseins als Lehrer „absolvieren“, indem sie vorgefertigte Gedichtinterpretationen anwenden und Sätze in ihre Bestandteile zerlegen? Da sind wir wieder bei Oswald Spengler respektive beim oben genannten Dozenten: Er sagte mal: „Denken Sie immer daran, Sie studieren eine Kunst.“ Was soll man dem noch hinzufügen, außer dass es immer weniger Menschen so sehen?

Brandt: Das ist immer eine persönliche Abwägung und hängt – wie bei mir – auch von den Gegebenheiten ab ¬ Elternhaus, Berufswunsch und Co. Grundsätzlich würde ich aber dafür plädieren, das Studium nicht nur als notwendiges Element für den Lebenslauf zu betrachten. Sprich: Wir sollten uns von der Ökonomisierung von Bildung lösen. Bildung bedeutet nicht nur, möglichst schnell und effizient Wissen anzuhäufen, um dann einen Beruf auszuüben; vielmehr verstehe ich darunter auch die Bildung des eigenen Charakters. Wenn ich mir jedoch den durchschnittlichen Bachelor-Studenten von heute ansehe, bezweifle ich, dass bei dem verschulten System Zeit bleibt, beispielsweise eine völlig fachfremde Vorlesung in Anglistik, Geschichte oder sogar Biologie zu besuchen – so wie ich es „damals“ machen konnte. Mit der derzeitigen Bildungs- und Studienphilosophie züchten wir uns überwiegend Arbeiter heran – eine gesunde Gesellschaft benötigt aber gleichfalls Denker.

Kommen wir zu Ihrer Selbstständigkeit: Wie bereits vorweg genommen, haben Sie gemeinsam die Schreiberei Eder gegründet. Wie kam es dazu und was genau bieten Sie an?

Götz: Nach meinem Studium war ich zunächst Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter – zuerst in Würzburg, dann in Karlsruhe. Bereits währendessen habe ich freiberuflich als Texter und Lektor gearbeitet; zum einen, weil ich in der „freien Arbeit“ den Kontrast zur doch sehr reglementierten wissenschaftlichen Arbeitsweise fand; zum anderen, weil mir bereits früh klar geworden war, dass ein Leben im akademischen Prekariat auf Dauer nur eingeschränkt lebenswert ist. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist ein zynisches Konstrukt – eine der Missgeburten jenes Systems, das sich des oben schon erwähnten schlechten Ratgebers Angst bedient, um das eigene Fortbestehen inklusive all seiner festgefahrenen Strukturen und Hierarchien zu sichern. Buckle in der Zeit, dann hast du vielleicht in der Not – auch keine Stelle (sollte man ergänzen). Auch hier überleben vor allem die Systemkonformen, deren Name in der Wissenschaftslandschaft sich vor allem aus der Anzahl ihrer Publikationen generiert. Doch sie haben ja keine andere Wahl – dafür gibt es ja das Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Mein erster Vertrag war auf drei Monate begrenzt. Auf dem Vertrag stand: „Die Probezeit beträgt sechs Monate.“ Da beißt sich die Katze in ihren eigenen Schwanz. Aber da muss ich nicht dabei sein. Die Alternative hatte ich mir in Form eines kleinen Netzwerks bereits aufgebaut, ebenso wie Herr Brandt. So wagten wir schließlich im November letzten Jahres den Schritt in die Selbstständigkeit. Eine großartige Entscheidung.

Brandt: Wir sind seit dem Studium sehr eng befreundet gewesen, haben uns dann eine Zeit aus den Augen verloren, dann zufällig wieder getroffen und begonnen, gemeinsame Pläne für unsere Selbstständigkeit zu schmieden. Ich war damals lange Jahre als Redakteur/Werbetexter in einer Kommunikationsagentur tätig gewesen und wollte ohnehin etwas Eigenes auf die Beine stellen. Die Treffen mit Christian gaben mir (und eigentlich uns beiden) dann den nötigen Schub, es wirklich in die Tat umzusetzen. Nach den üblichen behördlichen Widrigkeiten bieten wir seit November 2013 Text-, Redaktions-, Konzeptions- und Lektoratsarbeiten an. Wir schreiben Texte für Kunden- und Mitarbeitermagazine, Image-Broschüren, Websites etc., sowohl in der Zuarbeit für (Werbe-)Agenturen, als auch direkt für Firmen in allen Belangen der Unternehmenskommunikation. Darüber hinaus schreiben wir hin und wieder auch für freie journalistische Medien im eigentlich Sinn – aktuell konzipieren wir beispielsweise ein neues Genuss- und Gesellschaftsmagazin für moderne Menschen, das sowohl inhaltlich wie auch strukturell einem völlig neuen Ansatz folgt. Solche Herzensprojekte sind immer wichtig.

Von welchem Wissen, das Sie im Studium gelernt haben, profitieren Sie jetzt bei Ihrer Arbeit?

Götz: Ein Germanist, der das tut, was ein Germanist tun sollte – Bücher langsam und intensiv lesen – erweitert fast zwangsläufig sein Allgemeinwissen enorm. Ob Politik, Philosophie, Geschichte – in der Literatur findet sich alles verarbeitet, was die menschliche Kultur ausgemacht hat und ausmacht. Und das auch noch in traumhaft schöner Sprache. Wer sich auf dieses Studium und damit seinen Gegenstand – vor allem mit der nötigen Muse – einlässt, nimmt einen großen Schatz mit ins Leben. Ganz abgesehen vom Nutzen für das eigene Schreiben und Lektorieren. Wie sollte ich mir sonst anmaßen, einen selbst verfassten Text zu beurteilen bzw. einen zu lektorierenden Text zu verbessern, wenn ich über keinen qualitativen Maßstab verfüge – ganz zu schweigen vom Finden diverser Formulierungen und Wendungen? Da kann man noch so „hochbegabt“ sein, die kommen gewöhnlich trotzdem nicht mit der Muttermilch ins Gehirn, sondern – Sie erraten es – durch Lesen.

Brandt: Ebenfalls eine schwierige Frage. Konkret haben Goethe, Schiller, Eichendorff und Co. jetzt wenig mit unserer täglichen Arbeit zu tun – aber natürlich hilft einem das erworbene Wissen schon auf eine bestimmte Art weiter. Vor allem, weil wir noch „nach der alten Schule“ ausgebildet wurden, sprich: Wir sind Germanisten, wissen um die Bedeutung eines einzelnen Wortes, erkennen sprachliche Nuancen und setzen Sie dementsprechend gezielt ein. Wir haben das Schreiben nicht aus „Texten für Dummies“-Büchern oder auf merkwürdigen Texter-Seminaren gelernt; vielmehr haben sich unsere Fähigkeiten während unseres Studiums kontinuierlich weiterentwickelt. Das war natürlich auch nur möglich, weil wir uns die Zeit dafür nehmen konnten.

Was würden Sie Studenten / Absolventen raten, die einmal in Ihrer Branche tätig werden wollen oder sich ebenfalls selbstständig machen möchten? Was sollen sie beachten?

Götz: Sitzen Sie nicht der Mode des „Tausendsassatums“ auf. Hinterfragen sie selbstkritisch ihre Talente und richten Sie Ihren Beruf strikt nach der eigenen Kompetenz aus. Wenn Menschen der Ansicht sind, tolle Texte verfassen, zugleich das passende Webdesign basteln und das Projekt noch rundum managen zu können, bleibt gewöhnlich irgendetwas auf der Strecke – sei es nun das Ei, die Wolle, die Milch oder die Sau. Mediendesigner sind Experten für Mediendesign – dafür erlernen sie dieses Handwerk; sie sind keine Texter, ebenso wie der Dachdecker nicht vorher die Ziegel brennt, mit denen er arbeitet. Die Assonanz der Schreiberei mit der Schreinerei kommt nicht von ungefähr. Auch das Verfassen oder Optimieren von Texten ist ein Handwerk. Dementsprechend maßen uns nicht an, als Full-Service-Agentur aufzutreten – wenn Leistungen über den Text hinaus gefragt sind, ziehen wir die entsprechenden Experten hinzu. Das macht uns auch vor den Kunden glaubwürdiger – die gehen schließlich auch nicht davon aus, dass die Dame am Empfang im Autohaus auch den Zahnriemen wechselt.
2. Für die selbstständige Arbeit als Texter ist ein Basis-Netzwerk absolut unverzichtbar. Und da geht es nicht um nette Worte oder „liebe Freunde“, die einem mal die Masterarbeit zum Lektorieren geben, sondern ganz schlicht um gut bezahlte Aufträge, denen bei guter Arbeit neue Aufträge folgen plus Mundpropaganda – kurz: es geht ums Geld und absolute Verlässlichkeit. Anders geraten Sie unweigerlich in eine Spirale aus Ausnutzung und Frust. Fragen Sie sich also grundsätzlich vorher ganz sachlich: Wen kenne ich, der meine Kompetenz schätzt und mir damit nachhaltig von Nutzen sein kann? Über den Rest entscheidet dann die Qualität Ihrer Arbeit.

Brandt: Wie immer viel Geduld mitbringen für die Komplexität der deutschen Behörden – das glaubt man nicht, wenn man es nicht mal erlebt hat. Allein die Anmeldung unseres Unternehmens als – relativ simple Unternehmensform der GbR – hat uns beide viele Nerven gekostet, wir wurden von A nach B nach C und wieder zurück nach A geschickt. Ein bisschen wie bei Asterix und der Suche nach dem Passierschein A38. Für die Tätigkeit als Freiberufler an sich benötigt man auf jeden Fall gute Kontakte – das ist das A und O. Ich hätte mich bspw. nie direkt nach meinem Studium selbstständig machen können. Durch meine Tätigkeit in besagter Werbeagentur lernte ich neben dem speziellen Wissen der Branche auch die Wichtigkeit eines beruflichen Netzwerks schätzen. Davon profitieren wir jetzt – so war es bisher etwa noch nie nötig, Akquise zu betreiben. Die Aufträge kamen und kommen ausnahmslos über das berufliche Netzwerk, also andere Freiberufler, bekannte Unternehmenskontakte, Agenturen etc. Davon abgesehen benötigt man natürlich auch immer etwas Mut, den Schritt dann tatsächlich zu tun. Auf den Punkt gebracht: Gute Nerven, gute Kontakte und ein gutes Stück Mut. Im Idealfall hilft sicher auch ein kompetenter Geschäftspartner :)

Würden Sie aus der heutigen Sicht betrachtet etwas anders machen oder sogar etwas anderes studieren?

Götz: Ich würde das Gleiche wieder studieren (eventuell zwei Semester länger), jedoch statt dem titellosen Staatsexamen einen Masterabschluss machen. Das kann man sich so schön hinter den Namen schreiben, nicht wahr, Herr Kollege?

Brandt: Jein. Ich studierte Anfangs beispielsweise ein paar Semester Soziologie, das hätte es nicht unbedingt gebraucht Ansonsten würde ich aber noch einmal genau dasselbe studieren, vielleicht mit etwas mehr Ernsthaftigkeit. Gerade in puncto Leseliste bzw. Lektüre war ich nie sonderlich engagiert – viele bedeutende Werke habe ich bis heute nicht gelesen (das darf man einem Studienanfänger eigentlich nicht sagen:-). Hin und wieder merke ich dann allerdings schon, dass mir etwas germanistisches Fachwissen fehlt, wenn es tatsächlich mal gebraucht wird. Ansonsten war der Wechsel in die Selbstständigkeit genau richtig. Mit dem richtigen Partner, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Erfahrung und den richtigen Kontakten.


Website: www.schreiberei-eder.de
Facebook: www.facebook.com/schreibereieder

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There are 3 comments

  1. Blanca

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