Interview mit der Kulturwissenschaftlerin und freien Autorin Mahret Kupka

Mahret Kupka

Mahret Kupka

Frau Kupka, der Lebenslauf auf Ihrer Website verrät uns, dass Sie Kunstgeschichte, Germanistik, Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Philosophie und Ausstellungsdesign studiert haben. Wo haben Sie studiert und wie kam es zu dieser (teils ungewöhnlichen) Kombination?

Ja, ich habe eine kleine Studienodyssee hinter mir. Begonnen habe ich gleich nach dem Abitur in Frankfurt an der Uni mit Germanistik im Hauptfach und Kunstgeschichte und Politikwissenschaft im Nebenfach. Ich wollte damals eigentlich Dokumentarfilm an der HFF in München studieren. Aber weil ich in der letzten Bewerbungsrunde rausgeflogen war, entschied ich mich in der Wartezeit zur nächsten Bewerbung in Frankfurt, nahe meiner Heimatstadt erstmal ein paar Semester zu studieren.

Das gefiel mir dann aber so gut, dass ich an der Uni bleiben wollte und erstmal zu meinem damaligen Freund nach Stuttgart umzog, wo ich bis zur Zwischenprüfung nun aber mit Kunstgeschichte im Hauptfach weiterstudierte.

Zum Hauptstudium wechselte ich nach Karlsruhe an die Hochschule für Gestaltung, weil ich die Schule super fand und sie meiner Vorstellung von einem freien Studium voll entsprach. Dort mache ich meinen Magister in Kunstwissenschaft/Medientheorie und Ausstellungsdesign, während ich noch ein VWL Studium in Heidelberg absolvierte, was mir an der HfG als Nebenfach angerechnet wurde.

Diese Fächer haben mich immer schon am meisten interessiert. Ich bin glaube ich immer nach dem was ich wissen wollte gegangen, bei meiner Studienfachauswahl.

Ist Ihr Studium so verlaufen, wie Sie es sich anfangs vorgestellt haben?

Ich hatte mir anfangs glaube ich gar nichts vorgestellt. Ich wollte einfach frei arbeiten und Dinge lernen und wenn es mir irgendwo nicht mehr gefallen hat, dann habe ich nach einer Alternative gesucht, weswegen ich letztlich in Karlsruhe gelandet bin. Insofern gab es nie wirklich große Überraschungen. Heute wäre ich glaube ich mit dem Bachelor-System sehr unglücklich gewesen. Deswegen finde ich es wunderbar, dass sich die HFG diesem bis heute widersetzt.

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Anfangs wohnte ich noch bei meinen Eltern nahe Frankfurt, da waren die Kosten nicht so hoch. Als ich auszog haben mich meine Eltern finanziert. Später arbeite ich in Galerien und bis zum Ende meines Studiums als Pressereferentin des Heidelberger Kunstvereins. In den Semesterferien war ich öfter Messehostess, bis ich von meiner Agentur gefeuert wurde. Eine Weile habe ich auch für die Daimler Kunstsammlung gearbeitet und Führungen gemacht. Wenn man in Stuttgart wohnt, landet man früher oder später immer „beim Daimler“. Ich war auch mal Hiwi an der HfG.

Haben Sie sich während Ihres Studiums nebenher engagiert?

Nun ja, im Grunde waren meine Jobs immer eine studienbezogenes Engagement nebenher. Der Heidelberger Kunstverein hatte niemanden, der sich um die Presse gekümmert hatte, als ich dort Praktikum machte. Da habe ich dann angefangen eine Presseabteilung aufzubauen und nach meinem Praktikum dort weiter gearbeitet neben dem Studium an der HfG. Ich habe auch immer nebenher geschrieben und in Magazinen publiziert. Wenn man an der HfG studiert hat, dann war man eh automatisch immer bei irgendwas mit dabei, hat z.B. den Rundgang mitorganisiert oder andere Ausstellungen und Publikationen gemacht etc.

Hatten Sie schon im Studium eine Vorstellung davon, welchen Beruf Sie später einmal ergreifen möchten?

Das weiß ich ehrlich gesagt bis heute nicht. Für meine Eltern ist das was ich heute mache noch immer kein anständiger Beruf, aber sie finden das ok, solange ich meine Miete zahlen kann. Ich wollte eigentlich immer frei sein und schreiben und da ich bisher noch nie irgendwo angestellt war, habe ich im Grunde alles so gemacht, wie ich es immer machen wollte. Viele Dinge haben sich dann so ergeben. Zwei Jahre habe ich für OTTO das Modeblog TwoforFashion gemacht, jetzt promoviere ich und sonst schreibe und publiziere ich hauptsächlich zu Themen der Mode und Gesellschaft. Auch unterrichte ich das Fach Modesoziologie an einer privaten Hochschule. Für mich hat sich bis jetzt immer eine Nische gefunden. Wie man das jetzt genau nennt, weiß ich nicht. Seit diesem Jahr mache ich eine Schamanische Ausbildung und möchte gerne die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie machen. Nicht weil ich als solche arbeiten möchte, sondern weil mich die Inhalte interessieren. Von außen betrachtet sieht das alles ziemlich wirr aus, macht für mich aber total Sinn, weil ich finde, dass das Lösen gesellschaftlicher Probleme in jedem einzelnen anfängt und da möchte ich mit meiner Arbeit ansetzen. Ich habe da vielleicht einen missionarischen Anspruch. Wenn mich jemand fragt was ich bin, sage ich meist „Kulturwissenschaftlerin und freie Autorin“, das passt wohl am ehesten und das möchte ich auch so beibehalten.

Wie viele Semester haben Sie studiert? Sind Sie damit zufrieden?

Ich habe insgesamt 14 Semester studiert und finde das auch ok so. Angesichts der ganzen Uniwechsel und zwei Studienabschlüssen ist das wohl auch noch recht schnell, denke ich. Aber das war auch noch vor der Bologna-Reform und bevor es Studiengebühren gab.

Sind Sie der Meinung, dass man ein Studium möglichst schnell und diszipliniert abschließen sollte um so früh wie möglich in den Arbeitsmarkt einzusteigen oder sollte man die Unizeit nutzen, um sich selbst auszuprobieren und auch einmal über den Tellerrand zu schauen?

Ich denke das kommt ganz darauf an, was man möchte. Nach Bologna gibt es ja nicht mehr so wirklich die Möglichkeit über den Tellerrand zu schauen. Da macht es sicher Sinn, das vorgegebene Pensum so schnell wie möglich abzuarbeiten, um dann beim Master oder bei der Doktorarbeit ein bisschen mehr von dem zu machen, was einen wirklich interessiert. Auf dem Arbeitsmarkt lernt man andererseits auch vieles, was einem die Uni nicht beibringen kann. Wie gesagt, es kommt darauf an. Da ich mich eher als Wissenschaftlerin sehe und insofern wohl nie wirklich auf dem Arbeitsmarkt landen werde, erübrigt sich für mich die Frage. Ich bin mittlerweile ja auch wieder an der Uni und promoviere und schaue über sämtliche Tellerränder, die mir unterkommen.

Wie ging es in der Zeit nach der Uni bis heute für Sie weiter?

Ich bin zwei Wochen nach Abgabe meiner Magisterarbeit nach Berlin umgezogen. Da saß ich dann erstmal und habe mich mit Schreibjobs über Wasser gehalten. Dann kam das Angebot von OTTO für das Modeblog, das habe ich dann zwei Jahre gemacht, bis ich das Gefühl hatte, dass es das nicht gewesen sein soll. Nach ein paar ähnlichen Projekten und nach abgelehntem Angebot beim Süddeutsche Magazin in der Moderedaktion einzusteigen habe ich mich dazu entschieden zurück an die Uni zu gehen und den Doktor zu machen.

Aktuell haben Sie als freie Journalistin und Autorin in den Bereichen zeitgenössische Kunst, Kultur und Mode, als freie Dozentin für Modesoziologie und sind die Herausgeberin des gesellschaftskritischen Blogs http://modekoerper.de. Und zu guter Letzt promovieren Sie auch noch an der HfG Karlsruhe zum Thema Reproduktion von Geschlechterbildern in Modeblogs. Wie sieht denn so eine typische Arbeitswoche bei Ihnen aus?

Eine typische Arbeitswoche sieht viel geordneter aus, als man sich das vielleicht denken mag. Ich stehe täglich gegen 9 Uhr auf, gehe mit meinem Hund für 1 1/2 Stunden raus. Dann fahre ich entweder in die Bibliothek oder arbeite zu Hause am Computer, sofern ich nicht einem meiner unregelmäßigen Nebenjobs nachgehe, die mich einerseits vom Schreibtisch wegholen, andererseits auch wichtig für meine Finanzierung sind. Ich habe kein Stipendium, sondern einen Bildungskredit, der aber nicht zum Leben reicht. Zwischendrin unterrichte ich noch, aber das lässt sich alles wunderbar vereinbaren, weil ich überall die gleichen Inhalte habe, insofern ist das Transferieren in unterschiedliche Formen sogar eine gute Ablenkung und auch sehr hilfreich in Motivationslöchern. Wenn ich nur alleine zu Hause sitzen würde, würde ich wohl früher oder später durchdrehen – was so oft genug schon passiert, aber das ist wohl normal wenn man promoviert. Ins Bett gehe ich gegen 0.00 Uhr und bis dann arbeite ich eigentlich auch. Sonntags versuche ich immer gar nichts Inhaltliches zu machen, fahre meistens mit dem Auto raus aus Berlin, treffe Freunde, gehe spazieren, oder liege den ganzen Tag auf dem Sofa, schaue Filme und lese die liegen gebliebenen Zeitungen der Woche. Aber es fällt mir eh schwer, zwischen Freizeit und Arbeit zu unterscheiden. Ich mache eigentlich die ganze Zeit das, was ich mag.

Was haben Sie im Studium gelernt, was Ihnen in Ihrer bisherigen Berufslaufbahn von Nutzen war?

Disziplin, selbstständiges und sauberes (wissenschaftliches) Arbeiten und Wissen so zu vermitteln, dass es jemand anderes verstehen kann.

Gab es Dinge, die Sie neben Ihrem Studium gelernt haben und die Ihnen später von Nutzen waren?

Ich startete 2006 ein Blog mit dem Namen www.fnart.org. So habe ich die Social Media, Web 2.0 Welle so ziemlich von Beginn an aktiv mitgenommen. Dieses Wissen aus der Praxis hat mir bis heute die meisten Jobs beschert, zudem kann ich nun in meiner wissenschaftlichen Arbeit von meinen Erfahrungen, habe sozusagen meine Feldstudie schon hinter mir. Ich war eine der ersten Modebloggerinnen Deutschlands und kenne auch noch viele der Pioniere aus dem Ausland persönlich. Das macht mich bis heute zu einem wichtigen Ansprechpartner aus diesem Bereich.

Was würden Sie Studenten / Absolventen raten, die einmal in Ihrem Beruf / Ihrer Branche tätig werden wollen?

Sich selbst treu zu bleiben und eine eigene Sprache zu entwickeln. Vor allem alles mitzunehmen was geht. Offen zu sein, neugierig und mit vielen Leuten zu sprechen. Scheu sollte man auch nicht sein. Wenn ich z.B. mitbekommen habe, dass jemand den ich gut finde einen Vortrag hält oder irgendwo ein Seminar gibt, dann bin ich da immer hingefahren und habe versucht mit der Person in Kontakt zu kommen und war oft auch so frech, denen mitzuteilen was ich möchte und wie ich denke, dass sie mir helfen könnten. Manchmal hat das zu was geführt…

Würden Sie aus heutiger Sicht gesehen noch einmal Ihre Fächer studieren? Oder würden Sie sich dieses mal für etwas anderes entscheiden?

Ich würde gerne nochmal an der HfG studieren, diesmal aber von Anfang an. Seit diesem Semester kann man da auch Philosophie im Hauptfach studieren, das würde ich gerne machen. Außerdem würde ich auch ein paar Semester ins Ausland gehen, wahrscheinlich in die USA, das ist etwas, was ich bislang nicht getan habe. Aber vielleicht klappt das im Rahmen meiner Doktorarbeit ja noch. Bislang ist nichts geplant.


http://mahretkupka.de

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