Interview mit Geraldine Schurek, tätig in der Unternehmenskommunikation von IBM

Geraldine Schurek

Geraldine Schurek

Frau Schurek, Sie haben Ihren Bachelor in Germanistik mit dem Nebenfach Multimedia gemacht sowie Ihren Master in Medienwisssenschaft. Beides am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Warum haben Sie sich gerade für diese Fächer entschieden?

Die Kombi hat mich gereizt. Dass ich Germanistik studieren wollte, stand außer Frage. Mit Multimedia konnte ich noch nicht so viel anfangen, aber als uns alle Nebenfächer von Tutoren vorgestellt wurden, war ich schnell begeistert. Ein Mix aus Technik und Kultur, das gibt es schließlich nicht überall.

Ist Ihr Studium so verlaufen, wie Sie es sich anfangs vorgestellt haben?

Ich habe mein Studium sehr genossen und es hat mir immer Spaß gemacht. Die ein oder andere anstrengende Lernphase hatte ich natürlich auch, aber nennenswerte Enttäuschungen gab es nicht. Vielleicht auch, weil ich mir von Anfang an meinen eigenen Stundenplan erstellt und einige für mich weniger spannende Veranstaltungen umschifft habe. Auch die Themen für Hausarbeiten habe ich mir zum größten Teil selbst überlegt. Die Motivation war dann durchaus höher…

Sie waren auch für ein Semester an der Queen’s University Kingston in Kanada. Welche Vorteile oder auch Nachteile sehen Sie in einem Auslandsaufenthalt während des Studiums?

Es kommt darauf an, was für ein Typ Mensch man ist. Für mich war mein Kanadaaufenthalt ein einziges Abenteuer. Vordergründig wollte ich nach dem Bachelor einfach mal raus. Und da Reisen meine größte Leidenschaft ist, bietet sich ein Land in den Dimensionen natürlich an. Es bestand ein Austauschprogramm zwischen dem Institut für Literaturwissenschaft und der Queen’s University in Kingston. Von den Dozenten der beiden Universitäten habe ich viel Unterstützung erfahren und durfte sogar Hausarbeiten für das KIT dort verfassen.
Ansonsten war es natürlich spannend zu sehen, wie kanadische Studenten ihren Unialltag verbringen und welche Unterschiede es zu unseren Vorlesungen und Seminaren gibt. Ein Auslandsaufenthalt hilft, den eigenen Horizont zu erweitern, man lernt viel über ein anderes Land oder eine andere Kultur, vor allem aber über sich selber. Wer diesen Schritt allerdings nur für den Lebenslauf einplant und schnell von Heimweh geplagt ist, dem rate ich ab.

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Durch Nebenjobs an der Uni. In den ersten beiden Semestern habe ich noch jedes Wochenende gekellnert, aber dann bekam ich einen Job als Hiwi bei einem unserer Professoren sowie als Sendekoordinatorin bei Radio KIT (ehemals Radio Fri). Ein dritter Job kam im April 2010 hinzu. Im Bereich Kommunikation habe ich am KHYS mitgearbeitet. Und vor Kanada habe ich noch als Tutorin am Sprachenzentrum „Deutsch als Fremdsprache“ sowie am KIT „Mediengeschichte“ unterrichtet. Die Jobs an der Uni hatten den Vorteil, dass mein Studentenstatus beachtet wurde und Prüfungen meistens Vorrang hatten. Insgesamt kann man sich mit der Ausreizung der wöchentlich erlaubten Stunden als Student finanzieren. Große Sprünge waren natürlich nie drin.

Sie sagten bereits, dass Sie neben dem Studium als Tutorin und Studentische Hilfskraft gearbeitet haben und sich als Sendekoordinatorin beim Uniradio engagiert haben. Welche Erfahrungen konnten Sie dabei sammeln, von denen Sie persönlich, im Studium oder auch im Job profitiert haben?

Oje, das waren sehr viele. Neben all den inhaltlichen, administrativen und technischen Fähigkeiten, die ich im Laufe meiner verschiedenen Tätigkeiten erworben habe, habe ich vor allem gelernt mich selber zu organisieren, Dinge zu priorisieren und im Team zu agieren. Auch ein gesunde Portion Durchsetzungsvermögen ist manchmal unverzichtbar, wenn man sich selber treu bleiben möchte. Natürlich habe ich auch viel von den Menschen gelernt, für oder mit denen ich gearbeitet habe. Von Erfahrungen kann man nur profitieren, diese Ansicht habe ich in mein Berufsleben mitgenommen. Deshalb sollte man gerade als Berufseinsteiger erst einmal die Ohren aufsperren und nicht schon mit vorgefertigten Meinungen und gefährlichem Halbwissen um sich werfen.

Hatten Sie schon im Studium eine Vorstellung davon, welchen Beruf Sie später einmal ergreifen möchten?

Ja, sogar bereits vor meinem Studium. Eine Karriere als rasende Reporterin à la Karla Kolumna war der Plan, zumindest zu Bibi Blocksberg Zeiten. In der 6./7. Klasse habe ich für die Schülerzeitung geschrieben. Mit 15 habe ich dann für die Jugendseite der Rheinpfalz geschrieben. Thematisch ging es da um alltägliche Teenieprobleme oder Bandportraits aus der Umgebung. Aber auch wenn ich damals die erste Erfahrung mit der Realität der Zeichenbegrenzung erfahren musste und meine Artikel radikal gekürzt wurden, hat mir das Schreiben einfach Spaß gemacht.

Wie viele Semester haben Sie studiert? Sind Sie damit zufrieden?

Den Bachelor habe ich in 6 Semestern absolviert, den Master in 5. Ja, damit bin ich zufrieden. Als Dauerstudentin wollte ich nie enden.

Sind Sie der Meinung, dass man ein Studium möglichst schnell und diszipliniert abschließen sollte, um so früh wie möglich in den Arbeitsmarkt einzusteigen? Oder sollte man die Unizeit nutzen, um sich selbst auszuprobieren und auch einmal über den Tellerrand zu schauen?

Ich denke, dass jeder das für sich selber entscheiden muss. Für manche Menschen ist das Studentendasein eine Lebensform, die sie nicht aufgeben möchten, für andere nur Mittel zum Zweck. Auf mich trifft beides nicht zu. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch und hasse Stillstand. Ich wollte nach einigen Jahren Studium endlich raus aus dem Elfenbeinturm in das „richtige Leben“. Sich selbst ausprobieren ist ein guter Punkt. Ich finde das wichtig, aber im Studium hatte ich mich bereits genug ausprobiert, es war Zeit für etwas Neues.

Aktuell arbeiten Sie bei IBM. Das scheint für eine Geisteswissenschaftlerin ein eher untypischer Arbeitgeber zu sein. Wie kam es dazu und was genau sind Ihre Aufgaben im Unternehmen?

Das ist ein Vorurteil. Drei meiner jetzigen Kolleginnen sind Germanistinnen. Wir arbeiten in der Unternehmenskommunikation der IBM. Ich bin für die externe Kommunikation zuständig, d.h. ich arrangiere Gespräche mit Journalisten, begleite Messen, schreibe ganz klassisch Pressemitteilungen und renne auch mal mit dem Mikrofon durch die Flure. In Anlehnung an meine Radioarbeit wollte ich darauf nicht verzichten.
Ich glaube, der Schein trügt oft. Mit unserem Studium gibt es vielleicht nicht den einen vorgezeichneten Weg, stellt man sich geschickt an, öffnen sich aber auf einmal viele Türen. Jede große Firma hat eine PR Abteilung. Menschen, die kommunizieren können, werden fast überall gebraucht. Fachexperten mit Augenklappen überblicken oft nur ihren eigenen Bereich. Die Aufgabe eines Kommunikationsreferenten besteht darin, Botschaften zu vermitteln und den Überblick zu behalten. Was nützt einem die genialste Idee, wenn man nicht in der Lage ist sie zu kommunizieren. Geisteswissenschaftler bringen analytische, kommunikative und organisatorische Fähigkeiten mit. Sie schaffen es, Kernbotschaften zu filtern und gezielt aufzubereiten. Das sind sehr wichtige Kompetenzen.

Was würden Sie Studenten / Absolventen raten, die einmal in Ihrem Beruf / Ihrer Branche tätig werden wollen? Was sollen sie beachten?

Sie sollten keine Angst vor der Zeit nach dem Abschluss haben und sich von nichts abschrecken lassen. Wem Vorurteile und Klischees aufgrund seines Studienfaches begegnen, der soll diese widerlegen, indem er mit Persönlichkeit, Engagement und Motivation überzeugt. Außerdem sollte man sich frühzeitig einen Überblick verschaffen, welche Berufsbilder es gibt und welche davon interessant wären. Jeder sollte versuchen einen Job zu finden, der ihm Spaß macht und der nach seinen Talenten und Begabungen ausgerichtet ist. Das erleichtert den täglichen Arbeitstag ungemein. Wer in die IT Branche will, sollte sich für Technologien interessieren. Das heißt nicht, dass man ein Technikfreak sein muss, das bin ich ganz sicher auch nicht. Aber der IT Markt boomt und ich finde es spannend, wenn eine intelligente Technologie Staus verhindern kann oder eine Bäckerei darüber informieren kann, wann sie besser süße oder salzige Teilchen in die Auslage packt- denn je nach Wetterlage variiert unser Appetit auf süßes oder herzhaftes. Es ist schon verrückt, was man mit der immer größer werdenden Datenmenge heutzutage alles anfangen kann.

Würden Sie aus heutiger Sicht gesehen noch einmal Ihr Fach studieren? Oder würden Sie sich dieses mal für etwas anderes entscheiden?

Ja, auf jeden Fall. Für mich war es genau das richtige Studium. Klar, mit einem Maschinenbaustudium hätte ich sicher ein höheres Einstiegsgehalt und eine kürzere Bewerbungsphase gehabt, aber das hätte ich auch niemals geschafft. Meine Begabungen liegen einfach nicht im technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich. Wenn man etwas liebt, macht es auch Spaß. Germanistik ist ein tolles, inspirerendes und kreatives Studium.

Welche Rolle spielt das Thema Lernen heute für Sie?

Lernen bedeutet, dass man bereit ist neue Dinge anzunehmen und vor allem, dass man sich selber nicht als Maß aller Dinge nimmt. Ich habe in meinem Leben am meisten von den Menschen gelernt, die mich durch mein Leben begleitet haben, das heißt durch meine Eltern, Freunde, aber auch Lehrer, Professoren und Kollegen. Klar, lernt man in der Schule, im Studim und im Job, aber was mich im Leben weitergebracht hat, waren immer zwischenmenschliche Beziehungen. Im Job ist das genauso. Zuhören bringt einen oft viel weiter als reden. Das sture Lernen auf dem Papier ist daher auch heute noch nicht meine Lieblingsbeschäftigung, lässt sich aber natürlich nicht völlig vermeiden.


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