Lernquellen außerhalb des Studiums

Na, schon einmal von Education Hacking gehört? Ein Education Hacker ist ein Mensch, der sich seine Bildung selbst zusammen stellt und sich gegen die Vorstellung auflehnt, man könne nur mit einem Uni-Abschluss erfolgreich sein. Der Trend kommt aus den USA, aber die Idee dahinter ist keineswegs neu: Im Grunde geht es dabei um autodidaktisches Lernen und die Frage nach geeigneten Quellen und Vorgehensweisen. Mich selbst interessiert dieses Thema in der letzten Zeit immer stärker, da ich Menschen beeindruckend finde, die den Mut haben konsequent ihren eigenen Interessen und Zielen zu folgen und es vor allem schaffen, sich selbst das dazu nötige Wissen anzueignen. Dabei geht es auch um Eigenverantwortung: Autodidakten übernehmen selbst die Verantwortung für ihr Wissen und Können und geben diese nicht an Institutionen wie die Schule oder die Universität ab, ganz nach dem Motto: „Die werden mir schon alles beibringen, was ich wissen muss.“

Ich mache zunehmend die Erfahrung, dass es wichtig und auch sehr bereichernd ist, sich neben dem Studium auch anderen Lernquellen zuzuwenden. Dabei möchte ich dem Studium keineswegs seine Berechtigung absprechen: ich studiere gern und glaube auch, dass ich hier viel lerne. Kombiniert man dieses institutionelle Wissen allerdings mit autodidaktischem Wissen, dann eröffnen sich einem unglaublich viele Möglichkeiten und Freiheiten. Autodidaktisches Lernen ermöglicht es einem stärker den eigenen Interessen und Vorlieben folgen zu können, sein eigenes Profil zu schärfen und kreative Lösungen zu entwickeln. 

Der Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger sagte erst kürzlich in einem Interview mit der Huffington Post:

Nur wenige akademisch qualifizierte Berufseinsteiger versuchen, wirklich ihr eigenes Ding zu machen. Diese Menschen wissen, dass sie ihr Leben viel stärker in die Hand nehmen müssen, weil ihre Renten nicht sicher sind, weil sie für sich selbst sorgen müssen, und weil die Wirtschaft vor dramatischen Veränderungen steht. Sie wissen: Eigentlich ist nichts sicher. […] Sie müssen sich selbst als Talent-Unternehmer, als Ich-AG verstehen. Sie müssen versuchen, zu einer Marke zu werden und entscheiden, für welches Thema oder welche Fähigkeit sie stehen wollen. Die junge Generation, die sich da gerade verträumt auf ein schönes Leben vorbereitet, braucht dringend einen Weckruf. Wenn sie so weiter machen, werden viele von ihnen beruflich gesehen böse Überraschungen erleben.

Wer in der Lage ist, sich selbst Wissen anzueignen, der wird weitaus weniger Probleme haben in einem flexiblen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, als Menschen, die sich allein auf Ihre Abschlüsse und ihr institutionelles Wissen verlassen. Aber keine Sorge, ich will hier keine Angst schüren – ganz im Gegenteil! Ich möchte euch im Folgenden Quellen vorstellen, die euch dabei helfen immer wieder einen Blick über den Tellerrand zu werfen und die Lust auf unkonventionelles Lernen machen.

Fachliteratur

Fachliteratur ist jedem von euch selbstverständlich aus dem Studium bekannt und ist damit insofern nichts neues. Aber was spricht denn dagegen, mal fachfremde Literatur auszuleihen? Vielleicht mal ein Buch über Projektmanagement? Oder Suchmaschinenoptimierung? Oder Marketing? Sucht Anknüpfungspunkte zu eurem Studium und nutzt die Chance auf diese Weise ganz unverbindlich in ein neues Thema hineinzuschnuppern. Außerdem hat man im Studium für gewöhnlich kostenlos Zugriff auf Bibliotheken – das heißt diese Quelle gibt es sogar für lau!

Zeitschriften & Magazine

Ähnlich wie bei der Fachliteratur kann ich es wärmstens empfehlen immer mal wieder fachfremde Zeitschriften und Magazine zu kaufen. Sie haben natürlich nicht den Tiefgang von Fachbüchern, aber dafür informieren sie über aktuelle Themen und Trends und geben einen Eindruck davon, was die jeweilige Branche gerade bewegt. Meine aktuellen persönlichen Favoriten sind zum Beispiel t3n und brand eins – damit bin ich immer up to date in Sachen IT & Wirtschaft. Auch nicht schlecht ist das philosophische Wirtschaftsmagazin agora42 und enorm.

Blogs & Onlinemagazine

Es gibt wirklich zu JEDEM Thema, das man sich vorstellen kann, irgendwo in den Weiten des Internets einen Blog oder ein Onlinemagazin. Natürlich muss man sich darüber im klaren sein, dass die Qualität der einzelnen Plattformen stark schwanken kann, aber grundsätzlich ist es natürlich toll sich hier schnell, unkompliziert und kostenlos über ein Thema belesen zu können, oft garniert mit weiteren Linktipps oder Videos. Zudem kann man den meisten Onlineangeboten bequem per Twitter oder Facebook folgen, sodass man im Rahmen seiner persönlichen Social Media Nutzung immer auf dem Laufenden gehalten wird wo gerade neue Artikel erschienen sind.

Lernplattformen

Mittlerweile setzten sich immer mehr Online-Lernplattformen durch, die ganz unterschiedliche Konzepte verfolgen und teils kostenlos, teils aber auch kostenpflichtig sind. Wer zum Beispiel Lust hat Photoshop zu lernen oder in den klassischen Office-Anwendungen wie Word oder Powerpoint besser werden will, der sollte sich mal auf https://www.video2brain.com umschauen. Hier werden hunderte Lern-Videos angeboten, die dich Schritt für Schritt in ein Thema einführen. Studierende können ein sogenanntes Education-Abo abschließen und haben für 99.-/Jahr Zugriff auf die gesamten Inhalte der video2brain-Trainingsbibliothek im Wert von mehr als 30.000 Euro.

Es gibt auch kostenlose Angebote wie beispielsweise http://www.rechnungswesen-verstehen.de, wo der Name Programm ist oder https://iversity.org, wo man richtige Onlinekurse mit Teilnahmezertifikat belegen kann. Ich habe mich dort übrigens für „Einführung in die Arbeitspsychologie“ eingeschrieben.

Auch nicht zu verachten sind Plattformen zum Erlernen oder Auffrischen einer Sprache, so wie Babbel.com. Einfacher und günstiger kann man kaum in eine neue Sprache einsteigen.

Barcamps

Wikipedia sagt: „Ein Barcamp (häufig auch BarCamp, Unkonferenz, Ad-hoc-Nicht-Konferenz) ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden.“. Besser kann ich es auch nicht beschreiben. Was ich an dem Format reizvoll finde, ist, dass man hier wirklich vor Ort aktiv an einer Veranstaltung teilnimmt und dazu noch neue Leute kennen lernt. Wer Lust hat mal an einem Barcamp teilzunehmen, der findet auf http://www.barcamp-liste.de alle Themen, Orte und Termine.

Netzwerken

Du möchtest mehr über ein bestimmtes Thema oder einen bestimmten Beruf wissen? Such dir Menschen, die darin erfahren sind und kontaktiere sie. Das kannst du zum Beispiel ganz einfach über Netzwerke wie XING oder LinkedIn machen. So erweiterst du nicht nur dein persönliches Netzwerk, sondern du bekommst deine Fragen aus erster Hand beantwortet. Ich habe auf diesem Weg schon des öfteren positive Rückmeldungen bekommen, wenn ich Interesse an der Arbeit anderer zeige.

Youtube

Wie stellt man ein Bild in Photoshop frei? Was ist eine Funktion? Wie brate ich am besten Schweinemedaillons an? Youtube weiß es! Es gibt unglaublich viele Erklärvideos, die User frei auf Youtube einstellen und die dir in den unterschiedlichsten Themen und Lebensbereichen weiterhelfen können. Außerdem kann man interessante Kanäle abonnieren, wie zum Beispiel den DHd-Kanal (Kanal für Digital Humanities im deutschsprachigen Raum) oder Vorlesungsreihen anderer Universitäten.

Podcast

Ein Podcast ist ein Video- oder Audiokanal, den man abonnieren kann und auf dem regelmäßig neue Inhalte zu einem bestimmten Thema online gestellt werden, ähnlich wie auf Youtube. iTunes bietet viele Podcasts an, die man bequem und kostenlos abonnieren kann. Hier kann ich zum Beispiel Business Englisch lernen oder mir die neusten Strategien in Sachen Marketing um die Ohren hauen.

Angebote von Universitäten

Viele Universitäten bieten fakultätsübergreifende Angebote an, die alle Studierende (meist sogar kostenlos) nutzen können. Das sind zum einen die Career Center der Unis, die in allen Fragen rund um den Berufseinstieg beraten und Workshops zur Berufsvorberitung anbieten (Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgespräche üben, Bewerben auf Englisch, etc.). Teilweise gibt es aber auch noch andere Institutionen. In kann in diesem Fall nur von meiner eigenen Uni sprechen, aber in Karlsruhe habe ich beispielsweise am  ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale die Möglichkeit Kurse in Sachen Präsentationstraining zu besuchen oder mich in fachfremde Einführungsveranstaltungen zu setzen. Mit etwas Glück lassen sich sogar ECTS Points erwerben und für das eigene Studium anrechen. Zudem gibt es bei uns das HoC | House of Competence, welches auch fachübergreifend Seminare, Workshops und Förderprogramme anbietet, teils sogar speziell für GeisteswissenschaftlerInnen (z.B. „Doppelte Buchführung für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen“). Wie die Einzelnen Institutionen heißen, ist von Uni zu Uni verschieden, aber es lohnt sich in jedem Fall sich einmal schlau zu machen, welche Angebote der eigene Campus zu bieten hat. Nach dem Studium werdet ihr nie wieder so günstig bzw. kostenlos an so eine Fülle von Workshopangeboten kommen, denn private Anbieter lassen sich solche Kurse teuer bezahlen, insbesondere was Sprachkurse betrifft.

Auch manche Fachschaften sind sehr aktiv und bieten ihren Studierenden den ein oder anderen Workshop an oder sind beratend tätig. Auch hier lohnt es sich einmal Kontakt aufzunehmen oder sich sogar für ein entsprechendes Angebot stark zu machen.

Volkshochschulen

Volkshochschulen bieten auch zu den unterschiedlichsten Themen Kurse und Workshops an. Die Angebote und Preise sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich, aber vielleicht schaut man sich einfach auch die Angebote der Nachbarstädte einmal an. Oftmals bekommen Menschen in der Ausbildung Sonderpreise bei der Buchung, trotzdem kann ein zweitägiger Einführungskurs in Photoshop schon mal mit 140 Euro zu buche schlagen. Daher ist das Angebot von Volkshochschulen besonders für Absolventen interessant, die nicht mehr auf die Angebote der Universitäten zugreifen können, aber trotzdem nicht die teuren Preise privater Anbieter zahlen wollen (da kostet so ein Photoshopkurs dann schon mal 600 Euro). Auch für Jobstarter kann die Volkshochschule eine gute Sache sein, da viele Kurse von der Uhrzeit her berufsbegleitend belegt werden können.

 

Vielleicht werdet ihr euch jetzt fragen: Bringt es denn wirklich was, wenn ich mir Dinge selbst beigebracht habe? Wird das von Unternehmen überhaupt anerkannt? Dazu möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen:

Ich habe mich vor einiger Zeit bei einem großen Unternehmen in Karlsruhe als Werkstudentin beworben. Das Unternehmen wollte eine neue Software einführen, so etwas wie ein unternehmensinternes Facebook, auf dem alle Mitarbeiter miteinander vernetzt sind und sich austauschen können. Bei dem Werkstudentenjob ging es also darum, dieses Netzwerk aufzubauen und mit Inhalten zu füllen bzw. zu pflegen. Natürlich kam im Bewerbungsgespräch dann auch die Frage auf, ob ich die Software kennen würde. Ich habe dann ehrlich gesagt, dass ich damit bisher noch nicht gearbeitet arbeite, aber ich hatte Tage zuvor in der brand eins einen Artikel über genau dieses Programm gelesen. Also erzählte ich von dem Artikel und wie ein Unternehmen das Programm für sich genutzt hat, sprich welche Abläufe damit gemanagt wurden und dass ich diese Form der Zusammenarbeit spannend finden würde. Eine weitere Frage war dann, mit was für Inhalten ich dieses Netzwerk füllen würde bzw. was meiner Meinung nach für die Mitarbeiter interessant sei. Hier konnte ich auf meine Erfahrungen rund um Social Media zurückgreifen und erzählte davon, welche Inhalte von Geisteswirtschaft auf Facebook und Twitter gut funktionieren und wie man herausfinden kann, was die Zielgruppe bewegt.

Ich hatte bereits im Gespräch gemerkt, dass meine Antworten bei den Beteiligten gut ankamen und einige Tage später bekam ich tatsächlich die Zusage für den Job. Und warum? Ohne jemals damit gearbeitet zu haben, hatte ich Wissen über dieses besagte Netzwerk (dank meiner regelmäßigen Lektüre der brand eins) und wusste zudem wie ich so eine Plattform mit Inhalt füllen konnte, dank meiner Social Media Erfahrungen, die ich mir durch diesen Blog hier selbst angeeignet habe. Ihr seht, es sind manchmal wirklich Kleinigkeiten, die den Ausschlag für eine Jobzusage geben können. Und die haben oftmals nichts mit dem Studium zu tun. (Ich habe den Job am Ende im übrigen abgelehnt, weil ich mit dem Stundenlohn nicht einverstanden war, aber das ist eine andere Geschichte.)

Schaut doch einfach mal, wo ihr nach der Uni hin wollt, welche Berufe euch interessieren und welche Kenntnisse man dort als Einsteiger mitbringen sollte. Vielleicht bieten euch die genannten Quellen eine gute Möglichkeit euer Profil zu schärfen und euren Horizont zu erweitern, auch im Hinblick auf eurer Berufsziel.

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