Wie du im Studium am besten Praxiserfahrungen sammelst

Geisteswissenschaftler sollen Praxiserfahrungen im Studium sammeln. Das Thema dürfte dem ein oder anderen bereits aus den Ohren raushängen, denn egal welchen Ratgeber man zur Hand nimmt, immer heißt es: Sammelt Praxiserfahrungen – macht Praktika! Das ist alles schön und gut und tatsächlich ist etwas wahres dran, denn praktische Erfahrungen helfen dabei unserem persönlichen Berufswunsch näher zu kommen und fungieren als Türöffner beim Berufseinstieg. Tatsache ist nun einmal, dass man viele für den Job wichtige Fähigkeiten auch nur in der Praxis lernt und nicht im Studium. Tatsache ist aber auch, dass man Praxiserfahrungen nicht nur in Praktika sammelt. Wie ihr wisst studiere ich selbst Germanistik und Kulturwissenschaft und ich habe meine erstes und letztes Praktikum in der 11. Klasse auf dem Gymnasium gemacht. Da ich mein Studium selbst finanziere, habe ich nicht die Möglichkeit wochenlang in Vollzeit für wenig Geld Praktika zu absolvieren. Trotzdem war es mir wichtig Erfahrungen zu sammeln, was ich auch geschafft habe.

In diesem Sinne stelle ich euch nun diverse Möglichkeiten vor, wie ihr während des Studiums Praxiserfahrungen sammeln könnt:

Praktika

Fangen wir einmal mit dem Klassiker an, der bei der Auswahl an Möglichkeiten natürlich nicht fehlen darf. Ich bin kein Gegner von Praktika – wer die Zeit und die finanzielle Sicherheit hat, der kann durch ein Praktikum in beliebige Bereiche der Wirtschaft hineinschnuppern. Oftmals ist die Einstellungshürde hier auch geringer, als wenn man sich direkt auf einen bezahlten Job bewirbt. Das heißt wer noch gar keine praktischen Erfahrungen hat und quasi frisch von der Schule kommt, für den ist ein Praktikum sicherlich eine gute Chance um den Fuß in die Tür zu bekommen. In manchen Studiengängen gibt es sogar Pflichtpraktika – da muss man dann einfach durch. Schaden wird es nicht!

Studentische Hilfskraft an der Uni

Der Universitätsbetrieb lebt von seinen studentischen Hilfskräften – was im Umkehrschluss bedeutet, dass ihr hier in unterschiedlichsten Bereichen tätig werden könnt. Vom persönlichen Hiwi eines Professors über die Hilfskraft im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing bis hin zu Tätigkeiten in der Uni-Druckerei, dem Studienbüro oder als Messemitarbeiter. Hiwijobs werden meist über das unieigene Jobportal ausgeschrieben oder hängen am schwarzen Brett eurer Fakultät oder Fachschaft aus. Wenn ein Dozent eine Hilfskraft sucht, spricht er diese meist direkt an und greift sich dabei natürlich die Studenten heraus, die ihm als besonders engagiert aufgefallen sind. Strebsam sein (oder zumindest strebsam aussehen) kann sich also lohnen! Für einen Dozenten zu arbeiten, empfiehlt sich besonders für diejenigen, die eine wissenschaftliche Karriere einschlagen wollen und den Universitätsbetrieb einmal näher kennen lernen möchten. Auch aus studientaktischen Gründen kann es nicht schaden, für den Dozenten tätig zu werden, der später zum Beispiel in eurer mündlichen Bachelorprüfung sitzt – vorausgesetzt ihr leistet gute Arbeit für ihn! ;) Wen es in die Wirtschaft zieht, der sollte sich lieber nach Aufgaben umschauen, in denen ihr auch wirtschaftsrelevantes Wissen näher gebracht bekommt, wie z.B. in der Presseabteilung eurer Uni oder im Personalbüro.

Ähnlich wie bei einem Praktikum ist die Hürde für einen Hiwijob nicht all zu hoch. Auch unerfahrene Studenten bekommen hier eine Chance. Und das Schöne: Jobs als studentische Hilfskraft lassen sich in den meisten Fällen zeitlich besser mit dem Studium vereinbaren als Vollzeitpraktika oder Jobs in der Wirtschaft. Und man verdient Geld – zwar nicht viel (die Stundenlöhne variieren je nach Bundesland und akademischen Abschluss) aber für den Anfang ist es ganz ok.

Werkstudent bei einer Firma

Als Bewerber auf einen Werkstudentenjob muss man meistens schon ein paar Erfahrungen und Skills vorweisen können, um zum Gespräch eingeladen zu werden. Auch sind die Anforderungen hier oft höher als an der Uni oder in einem Praktikum. Hat man aber einen guten Job erwischt, gibt es einige unschlagbare Vorteile: In Firmen hat man oft eine steile Lernkurve und man verdient nicht schlecht – denn die Löhne sind verhandelbar und nicht festgelegt wie an der Uni. Zudem sammelt man wichtige Kontakt zu Kollegen und Kunden, die euch später vielleicht einmal von Nutzen sein können. Und wer weiß: Wer sich gut anstellt, hat vielleicht die Chance auf eine Übernahme nach dem Studium?! Allerdings solltet ihr aufpassen, dass das Studium nicht unter dem Job leidet. Vielen Firmen ist es egal, ob ihr gerade Klausurphase habt oder ein Referat vorbereitet – in der Wirtschaft weht ein anderer Wind. Trotzdem ist eure Arbeitszeit gedeckelt: während der Vorlesungszeit dürft ihr nicht mehr als 20 Wochenstunden arbeiten (in den Ferien mehr), sonst verliert ihr euren Studentenstatus und lauft Gefahr exmatrikuliert zu werden, weil man davon ausgeht, dass keine Zeit mehr für die Uni bleibt.

Ferien- und Nebenjobs

Wer einen Ferien-/Nebenjob in der Gastronomie oder im Einzelhandel annimmt, für den spielt in erster Linie das Geld eine Rolle. Schließlich gibt es viele Studierende, die zwar von den Eltern oder durch Förderungen wie Bafög finanziell unterstützt werden, aber manchmal reicht das eben nicht um die eigenen Kosten zu decken. Und einen Nebenjob hat man schnell an Land gezogen, da die Einstellungskriterien hier oft nicht hoch sind. Es spricht auch gar nichts dagegen, sich auf diese Art etwas dazuzuverdienen. Selbst bei Jobs wie Kellnern lernt man etwas, nämlich Disziplin, kundenfreundliches Auftreten, schnelles Reaktionsvermögen oder auch Kopfrechnen. Vielleicht sammelt ihr hier nicht unbedingt Erfahrungen für euren Traumjob, aber ihr lernt das Arbeitsleben kennen. Und es gibt auch Personaler, die es einem anrechnen, wenn man durch Nebenjobs sein Studium finanziert hat – schließlich zeigt man hier Ehrgeiz und Eigenverantwortung. Passend dazu empfehle ich den Artikel „Schlimme Nebenjobs: Warum sie nützlicher sein können, als ihr Ruf vermuten lässt„.

Freie Mitarbeit

Die Möglichkeit der freien Mitarbeit findet sich oft in der Medienbranche wie zum Beispiel bei Zeitungen oder Onlinemagazinen. In diesem Fall werdet ihr dann pro Artikel bezahlt und könnt eure Arbeit in den meisten Fällen flexibel gestalten was Zeit und Ort betrifft. Wer in den Journalismus will, der sollte wirklich versuchen an eine freie Mitarbeit ranzukommen. Sie lässt sich gut mit dem Studium vereinbaren und man sammelt auch hier wichtige Kontakte zur Branche, die sich später einmal bezahlt machen können.

Selbstständigkeit

Je nach dem wo deine Stärken liegen und wie viel Erfahrung zu schon hast, kann sich auch eine Selbstständigkeit lohnen. Konkret gemeint ist damit, dass du ein Nebengewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit anmeldest und dann Jobs auf Rechnung ausführst. Ich habe beides angemeldet und rechne damit zum Beispiel meine Vorträge oder Gastartikel über den Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler ab oder wenn ich gelegentlich Flyer oder Poster gestalte. Grundsätzlich bietet sich die Arbeit auf Rechnung dann an, wenn man zum Beispiel modelt, textet, bloggt, Musik auflegt, gestaltet, programmiert oder journalistisch tätig ist. Es gibt so viele Möglichkeiten selbstständig bzw. als Freelancer zu arbeiten. Passend dazu gibt es auch spezielle Freelancer-Jobbörsen wie www.twago.de, auf denen man sich direkt für Projekte bewerben kann. Der Vorteil von selbstständiger Arbeit ist der, dass man sich bequem und flexibel ein Zubrot verdienen kann, ohne gleich einen Arbeitsvertrag unterschrieben zu haben. Der Nachteil ist, dass man hier natürlich auch für alles die volle Verantwortung trägt. Aber: wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Vor allem eignet man sich hier wichtiges wirtschaftliches Wissen an, vom bürokratischen Akt der Gewerbeanmeldung über das Schreiben einer rechtsgültigen Rechnung bis hin zur Preiskalkulation der eigenen Arbeit.

Ehrenamt

Bei einem Ehrenamt verdient man zwar kein Geld, aber man kann behaupten, dass man hier mit besonderen Erfahrungen vergütet wird, die man sonst nicht unbedingt erlebt. Ehrenamtlich tätig werden kann man zum Beispiel bei Vereinen und sozialen Einrichtungen, aber auch in Hochschulgruppen. Wer also ein Thema hat, dass ihm besonders am Herzen liegt, für den wäre diese Form des Engagement sicher sinnvoll – zumal Personaler gern sehen, dass Bewerber ehrenamtlich gearbeitet haben. Im Idealfall macht ein Ehrenamt Spaß, man hat das Gefühl etwas sinnvolles zu tun und lernt etwas. Und das alles meist auch in guter Vereinbarkeit mit dem eigenen Studium und Zeitplan.

Werde selber aktiv

Eine der, wie ich finde, schönsten Möglichkeiten praktische Erfahrungen zu sammeln ist die, selbst aktiv zu werden. Zum Beispiel durch einen eignen Blog. Wer bloggt, der beschäftigt sich mit vielen Aspekten: Wie funktioniert ein Content Management System? Was macht einen guten Blogartikel aus? Wie bearbeite ich Bilder? Wie erkenne und erreiche ich meine Zielgruppe? Wie funktioniert Social Media Marketing? Das sind nur einige der Fragen, die auf euch zukommen werden. Ganz nach dem Prinzip „Learning by doing“ könnt ihr euch an die einzelnen Bereich herantasten und erste Erfahrungen sammeln – und zwar in dem Tempo und mit dem Zeitaufwand, der zu euch passt. Kein Chef sagt euch, was ihr zu tun oder zu lassen habt und ihr könnt euren eigenen Ideen freien Lauf lassen. Zwar ist es nicht so einfach damit auch Geld zu verdienen, aber der Lernzuwachs ist riesig und ihr baut euch eine super Referenz auf! Wer später in die Medien- oder Kommunikationsbranche möchte, der ist gut beraten sich mit einem eigenen Blog einmal selbst auszuprobieren. Welche Themen interessieren mich, über die ich bloggen könnte? Welche Aufgaben machen mir am meisten Spaß? Was kann ich gut?

Natürlich ist bloggen nicht die einzige Möglichkeit selbst aktiv zu werden. Wer mutig ist und gute Ideen hat, kann auch eine eigene Firma oder einen eigenen Verein gründen (studentische Gründerberatungen gibt es bereits an vielen Universitäten). Startet eigene Projekte und mobilisiert Menschen, die mit euch am selben Strang ziehen. Und nein, dafür muss man nicht BWL studiert haben! Eine gute Idee ist das wichtigste, der Rest kommt dann von allein. Was du zur Umsetzung deiner Idee brauchst kannst du lernen – oder du suchst Menschen, die dich unterstützen, weil sie geil finden was du machst. Das ist das Geheimnis.

Abschließend möchte ich festhalten, dass jeder für sich selbst herausfinden muss, welche Form der Praxiserfahrung am besten passt. Das hängt von vielen Faktoren ab: Wie viel Zeit habe ich? Welchen Job oder welche Branche möchte ich kennen lernen? Welche Erfahrungen kann ich schon vorweisen? Wie wichtig ist es für mich dabei Geld zu verdienen? Worauf ihr aber auf jeden Fall IMMER achten solltest: Lasst euch nicht ausnutzen! Praxiserfahrungen sammeln bedeutet nicht die Kunst des Kaffeekochens zu erlernen oder Akten zu sortieren. Wenn ihr das Gefühl bekommt, ihr lernt nichts oder wurdet nur eingestellt um unliebsame Scheißaufgaben zu erledigen, dann redet mit eurem Vorgesetzten. Sollte das nicht helfen, dann heißt es: Kündigen! Denn manchmal helfen praktische Erfahrungen auch herauszufinden, was man NICHT machen möchte. Und das ist auch schon mal ein Fortschritt!

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