In welchen Branchen können Geisteswissenschaftler arbeiten?

Tätigekitsfelder für Geisteswissenschaftler

 

Wo genau können Geisteswissenschaftler eigentlich überall tätig werden? Welche Branchen und Berufe eignen sich besonders? Diese Fragen bekomme ich immer und immer wieder gestellt. Viele meiner Leser oder Besucher meiner Vorträge und Workshops sehnen sich förmlich danach, dass ihnen jemand ein wenig Orientierung schenkt. Einen Rahmen absteckt, in dem man dann auf Jobsuche gehen kann.

Meine Antwort fällt dann wohl möglich für den ein oder anderen etwas enttäuschend aus, denn ich bin der Meinung, dass Geisteswissenschaftler nahezu überall arbeiten können. Natürlich nicht in jedem Beruf, dafür aber in fast jeder Branche.

Selbstverständlich gibt es ein paar „klassische“ Berufsfelder für Geisteswissenschaftler, die gern als mögliches Tätigkeitsfeld genannt werden, beispielsweise der Journalismus, das Verlagswesen, die Medienbranche oder die Kulturwirtschaft. Wer hier ganz allgemein nach Orientierung sucht, wird beispielsweise in entsprechenden Ratgebern wie „Berufsfelder für Geisteswissenschaftler. Ein Leitfaden für Studierende und Arbeitgeber“ von der Uni Würzburg und der IHK oder „Vielfalt bringt Erfolg – Berufliche Perspektiven für Geistes- und Sozialwissenschaftler“ des Career Services der TU Chemnitz fündig.

Natürlich gibt es auch Ratgeber in Buchform, die sich mit dem Thema beschäftigen, wie beispielsweise „Arbeitsmarktchancen für Geisteswissenschaftler„oder „Der optimale Berufseinstieg. Perspektiven für Geisteswissenschaftler„. Einige weitere spannende Titel werde ich in den kommenden Wochen hier auf Geisteswirtschaft noch vorstellen.

Einzelnen Berufen, die teilweise auch noch relativ unbekannt sind (Beispiel: Münzkundler oder Bibliotherapeutin) widmet sich Dr. Mareike Menne auf Ihrem Blog Brotgelehrte. Wer also nach frischen Ideen und Inspirationen sucht, der sollte sich öfter mal Mennes Rubrik GeisteswissenschaftlerInnen in der freien Wirtschaft anschauen.

Aber um auf meine anfängliche These noch einmal zurück zu kommen: ich bin fest davon überzeugt, dass Geisteswissenschaftler auch in „fachfremden“ Branchen gefragt sind. Beispiele gefällig? Sehr gerne!

Einige der Ausschreibungen werden in den kommenden Tagen vermutlich nicht mehr abrufbar sein. Mir geht es hier aber auch nicht darum, euch einen direkten Job zu vermitteln, sondern aufzuzeigen, dass Geisteswissenschaftler in den verschiedensten Branchen gesucht werden. Und ich hätte diese Liste mit Leichtigkeit noch um etliche Stellen mehr erweitern können.

Häufig sind die genannten Jobs an Menschen gerichtet, die ein abgeschlossenes Studium im Bereich Marketing / Geisteswissenschaften / Kommunikationswissenschaften oder Journalismus haben. Und selbst wenn eure Studienrichtung nicht in der Jobbeschreibung erwähnt wird – merkt euch eins: Es ist nicht wichtig, was ihr studiert habt, sondern ob ihr euch zutraut den Job zu machen und die nötigen Fähigkeiten dafür mitbringt. Am Ende wollen die Arbeitgeber nicht einen Absolventen dieser oder jener Fachrichtung, sondern einen professionellen Mitarbeiter, der sie in ihrem Tagesgeschäft unterstützt und seinen Arbeit gut macht.

Wer sich also vorstellen kann, nach dem Studium auch in fachfremden Branchen tätig zu werden, dem stehen wirklich viele Türen offen. Recherchiert doch einfach mal ein paar Stellenausschreibungen, sei es auf StepStone oder in dem Heft arbeitsmarkt des Wissenschaftsladens Bonn und schaut euch an, welche Jobs ausgeschrieben sind, welche Jobs euch wiederum ansprechen und welche Qualifikationen Bewerber mitbringen müssen. So bekommt ihr nicht nur eine gute Übersicht, was alles möglich ist, sondern seht auch, welche Skills ihr euch während des Studiums noch aneignen solltet bzw. welche Praktika sinnvoll wären.

Und noch ein kleiner Hinweis am Rande: Ich gehe mal stark davon aus, dass das Gehalt bei Bosch oder der Deutschen Bahn attraktiver sein wird, als bei einer Kultureinrichtung, die sich aus Spenden und von öffentlichen Geldern finanziert. ;)

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There are 9 comments

  1. Carsten

    Hallo (Ex)-Leidensgenossen,

    ihr denkt zu engstirnig. Warum lasst ihr euch immer in die schlechtbezahlten und sowieso komplett überlaufenen Ecken des Jorunalismus, Kommunikations-Sachen und „Ich mach was mit Medien“ drängen? Es gibt keinen Grund dazu.

    Geisteswissenschaftler können ALLES machen. ( OK, Chirurg und Richter mal ausgenommen :-) ).
    Und sie sollten heute auch ALLES machen.

    Die Wirtschaft brummt: In den Ballungsgebieten Süddeutschland wird im Moment JEDER eingestellt der Abitur hat, zwei Arme und Beine, mal drei grade Sätze rausbringt und eine Maus halten kann. Und ich meine jetzt Festanstellung, nicht Praktikum, oder „wir sehen mal, was wir Dir am Ende des Monats auszahlen können“.

    Nur die Jobs in denen eingestellt wird und man gut und fair behandelt und bezahlt wird, und in denen für schlaue und fixe junge Leute auch Aufstiegs-Chancen da sind, die sind dann eben nicht in der Kreativbranche in Berlin F’Hain etc. sondern vielleicht bei irgendeinem mittetständischen Schraubenhersteller in Esslingen.

    Noch mal in aller Deutlichkeit: Wer heute keine gute Festanstellung hat, der hat sich bewusst dagegen eintschieden.

    Viele Grüße

    Carsten,

    1. Rai

      „Noch mal in aller Deutlichkeit: Wer heute keine gute Festanstellung hat, der hat sich bewusst dagegen eintschieden.“

      Das ist natürlich Unsinn. Auch der Rest des Beitrags geizt nicht mit Übertreibungen, die niemandem weiterhelfen. Es fehlen die konkreten Untermauerungen deiner Thesen.

      ALS WAS, abseits von Medien/Kommunikation/Marketing, wird ein Geisteswissenschaftler beim mittelständischen Schraubenhersteller in Esslingen garantiert eingestellt? Gut bezahlt mit Aufstiegschancen obendrein. Welche sind die BERUFSFELDER, in denen „jeder Abiturient“ eine gute Festanstellung erhält? Gerne auch mit konkreten Stellenanzeigen, wie im Originalbeitrag. Und nein, glückliche Einzelfälle reichen mir nicht, schließlich betonst du ja die Allgemeingültigkeit deiner Behauptungen.

  2. Nina

    Lächerlich, dieser Beitrag und unfassbar naiv. Der Arbeitsmarkt da draußen ist hart wie noch nie und ohne bwl-oder kaufmännische Grundkenntnisse hast du als Geisteswissenschaftler verloren und wirst dein Leben lang am Hungertuch nagen.
    Hab das auch studiert. Bin mittlerweile in der Konsumbranche im Vertrieb auch für online.
    Die Studiengänge gehöreb abgeschafft. Sie stellen die keine guten Weichen für das Arbeitsleben, außer du willst Lehrer werden oder an der Uni als Dozent bleiben.

    1. Gianna Reich

      Da ich selbst Geisteswissenschaftlerin bin und bereits diverse Berufserfahrungen gesammelt habe, denke ich nicht, dass ich hier naiv bin. Selbstverständlich ist es notwendig, sich neben dem Studium Praxiserfahrungen anzueignen und auf das gewünschte Berufsziel hinzuarbeiten. Und es mag auch sein, dass die Berufsaussichten von Region zu Region unterschiedlich sind. Aber der Aussage „ohne bwl-oder kaufmännische Grundkenntnisse hast du als Geisteswissenschaftler verloren und wirst dein Leben lang am Hungertuch nagen“ kann ich absolut nicht zustimmen.

      Zudem sollte sich jeder bereits VOR dem Studium erkundigen, wie die Berufsaussichten für das jeweilige Fach sind und wie man sich gut vorbereiten kann. Im Zweifel kann dann die betriebliche Ausbildung auch die bessere Wahl sein, je nach dem, welche Wünsche oder Ziele man hat.

  3. Gianna Reich

    Liebe Milena, liebe Eva,

    Danke für eure Kommentare! Gern würde ich euch konkretere Tipps für die Stellensuche geben, allerdings müsste ich dazu mehr über eure aktuelle Situation wissen (Studiert ihr noch? Wo würdet ihr gern arbeiten? Welche Erfahrungen habt ihr bisher gesammelt? …). Daher schreibt mir gern eine E-Mail an info@geisteswirtschaft.de.

    Viele Grüße
    Gianna

  4. Martin Salwiczek

    Hi Eva,
    hast Du schon mal mit der Arbeitsagentur über eine evtl. Förderung für eine Weiterbildung gesprochen?
    Es gibt spezielle Angebote für Hochschulabsolventen, die u.a. auch mit Praktika verknüpft sind.

    Gruß,
    Martin

  5. Milena

    Als Absolventin geisteswissenschaftlicher Studiengänge, die sich nun über mehrere Jahre hinweg immer mal wieder auf Jobsuche und in akuten Bewerbungsphasen befunden hat, möchte ich dazu sagen: Wenn man mit Bewerber/innen konkurriert, die mehr (oder überhaupt schon) Berufserfahrung haben, zieht man in der Regel den Kürzeren. Bei journalistischen Stellen hat man m.E. nur eine Chance, wenn man mehrjährige Erfahrung als freie/r Mitarbeiter/in mitbringt oder ein abgeschlossenes Volontariat. Ich kann nur unterstreichen, dass es sehr wichtig ist, sich schon früh mit dem Stellenmarkt auseinanderzusetzen, praktische Erfahrungen zu sammeln und immer wieder konkret zu überlegen, wo es mal hingehen soll.

    1. Eva

      Ich bin ebenfalls Absolventin eines geisteswissenschaftlichen Studiengangs und kann Dir, Milena, absolut zustimmen. Trotz der vielen Tipps (die ich mir unter Anderem hier anlese) mag es bei mir einfach nicht klappen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Praktikumsstellen nur noch studienbegleitend angeboten werden. An Volontariatsstellen traue ich mich erst gar nicht ran, da mir dafür die nötige praktische Erfahrung fehlt, die in den meisten Angeboten Vorraussetzung ist. Und somit schließt sich der Kreis wieder: Ohne praktischen Erfahrungen kein Volontariat, keine praktischen Erfahrungen möglich ohne Praktikum. Ich hoffe trotzdem, dass es irgendwann klappt. Über weitere Vorschläge wäre ich sehr dankbar!

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