Ein MBA als Türöffner für die Wirtschaft

Als ich mich für das Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft entschieden habe, tat ich dies nicht nur aus Interesse am Fach und wegen meiner Affinität für Sprache und Literatur, sondern auch, weil ich es toll fand, dass man mit einem geisteswissenschaftlichen Studium so viele berufliche Möglichkeiten hat. Dieser „Alles kann, nichts muss“-Aspekt versprach mir eine Freiheit, die ich weder in der Schule, noch in der Ausbildung hatte, aber nach der ich mich lang gesehnt habe. Für viele ist diese Freiheit aber auch eine Bürde. Nicht wenige Studierende der Geisteswissenschaften würden sich mehr Orientierung wünschen, was genau ihr Studium ihnen eigentlich bringt und welche Chancen und Möglichkeiten sie damit auf dem Arbeitsmarkt haben. Arbeitgebern geht es da zum Teil nicht anders: auch sie können im Bewerbungsprozess nicht immer einschätzen, welche Qualifikationen ein Geisteswissenschaftler in seinem Studium erwirbt und in wie fern diese für das Unternehmen von Bedeutung sein könnten. Oftmals fehlt es an einem klaren Profil – zum einen auf der Seite der Studierenden, die das Gefühl haben, sie können von allem ein bisschen aber nichts richtig gut. Und auch aus der Sicht der Arbeitgeber fehlen bei Geisteswissenschaftlern oftmals die sogenannten „Hard Skills“. Aber wie begegnet man diesem Problem?

Wie so oft gibt es auch hier nicht den einen, goldenen Weg, der zum Erfolg führt. Um sich ein klares Profil aufzubauen, mit dem man in der Wirtschaft überzeugen kann, ist es vor allem wichtig Berufserfahrungen zu sammeln. Und damit meine ich nicht nur Praktika, sondern idealerweise längerfristige Tätigkeiten, zum Beispiel als Werkstudent oder Freiberufler. Das ist nicht neu. Allerdings kann es je nach Berufswunsch auch sinnvoll sein, sich durch ein Zusatzstudium für die Wirtschaft zu qualifizieren. Wirtschaftliches Know How ist immer gefragt, insbesondere wenn man darüber hinaus fundiertes Wissen in einem weiteren Bereich vorweisen kann, sprich man interdisziplinär aufgestellt ist. Ganz konkret kann das zum Beispiel der Fall sein, wenn man seinen Bachelor oder Master in einem geisteswissenschaftlichen Fach abschließt und durch einen Master of Business Administration (kurz: MBA) ergänzt. Aber was ist eigentlich ein MBA? Was lerne ich da? Und was bringt mir ein MBA im Hinblick auf meine „Karriere“?

Ich habe „Karriere“ hier mal ganz bewusst in Anführungszeichen gesetzt, weil ich den Eindruck gewonnen habe, dass Geisteswissenschaftler ungern von Karriere sprechen. Viele verstehen unter dem Begriff eine kontinuierlich erfolgreiche, berufliche Laufbahn, die immer weiter nach oben führt und in verantwortungsvollen und gut bezahlten Positionen endet. Klingt ja auf den ersten Blick nicht negativ, allerdings identifizieren sich die wenigsten Geisteswissenschaftler mit diesem Bild. Viele sagen von sich selbst, sie seien froh, wenn sie überhaupt einen einiger Maßen gut bezahlten und vielleicht nicht befristeten Job finden. „Karriere zu machen“ passt also entweder nicht zu ihrem Selbstverständnis, weil beruflicher Erfolg ihnen nicht wichtig ist oder sie glauben nicht daran, dass sie die Möglichkeit dazu überhaupt haben. Svenja Hofert, eine bekannte Karriereexpertin und Beraterin, sieht das allerdings anders und schreibt auf ihrem Blog: „Seit 15 Jahren begegnen mir erfolgreiche Geisteswissenschaftler in der Beratung. Auch und gerade im MINT-Bereich, im Marketing und Personalwesen. Sie schaffen es fast ganz nach oben in Pharmakonzerne und in Personalabteilungen, ins Key Account Management und die Geschäftsführung einer Agentur.“ Ein geisteswissenschaftlicher Abschluss und beruflicher Erfolg sind also keineswegs Gegensätze, die einander ausschließen. Trotzdem stellt Hofert fest: „Aber egal, wo sie hingehen, das Image der Geisteswissenschaften hängt ihnen nach, weshalb viele dann doch noch einen MBA oder etwas wirtschaftsrelevantes studieren, um sich das Etikett unternehmensrelevanter Kompetenz anhängen zu dürfen. Und das erleichtert in der Tat vieles.“ Der Titel des Artikels, aus dem ich hier zitiert habe, lautet „Karrierecheck Geisteswissenschaften: Alles ist möglich, nur schwieriger“ und fasst damit ganz gut zusammen, wie es um Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft steht: im Grunde stehen uns alle Wege offen, allerdings haben wir es oftmals etwas schwerer uns gegenüber Absolventen anderer Studiengänge durchzusetzen.

Womit wir wieder bei dem Thema MBA wären, der ja auch von Frau Hofert als Option erwähnt wurde, um das eigene Profil um unternehmensrelevante Kompetenzen zu erweitern. So ein MBA kann also tatsächlich ein Türöffner sein, denn wer ihn in der Tasche hat, verfügt über fundiertes, wirtschaftliches Fachwissen, welches oftmals Grundvoraussetzung ist, um für bestimmte Jobs und Positionen überhaupt in Frage zu kommen. Und ich rede hier nicht nur von Stellen in Unternehmensberatungen oder Konzernen, nein auch der Leiter einer Kultureinrichtung (Stichwort Kulturmanagement) braucht betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Wobei es auch schon Karrierestufen darunter anfängt: wer im Marketing arbeiten will, wird früher oder später auch entsprechende Budgets zu verwalten haben und wer plant sich selbstständig zu machen bzw. freiberuflich zu arbeiten erst recht.

Ein MBA ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit sich betriebswirtschaftliches Wissen anzueignen, allerdings ist der Abschluss sehr anerkannt, sodass insbesondere bei Arbeitgebern Einigkeit darüber besteht, was Bewerber mit einem MBA für Qualifikationen mitbringen. Die IUBH, die Internationale Hochschule Bad Honnef, bietet einen solchen Master of Business Administration zum Beispiel als Fernstudium an. Wer sich für diesen Studiengang einschreibt, der kann ihn entweder in 2-3 Semestern als Vollzeitstudium studieren oder in 3-6 Semestern in Teilzeit. Die Unterrichtssprache ist Deutsch und Englisch, das heißt der MBA ist sehr international ausgerichtet und qualifiziert seine Studierenden für anspruchsvolle Tätigkeiten im mittleren bis hohen Management. Zudem ist es möglich sich innerhalb des MBA zu spezialisieren, zum Beispiel im Bereich Human Resource Management (ein sehr beliebtes Tätigkeitsfeld unter Geisteswissenschaftlern), Strategisches Marketing und Branding oder Projektmanagement.

Natürlich hat so ein MBA und die intensive Betreuung seitens der Hochschule auch seinen Preis: Je nach Modell und Studiendauer kostet der MBA an der IUBH zwischen 11.387 Euro und 16.403 Euro plus eine Graduierungsgebühr am Ende des Studiums in Höhe von 599 Euro. Das klingt für uns, die es in Deutschland gewohnt sind, an den Unis pro Semester nur einen kleinen Verwaltungsbeitrag von um die 150 Euro zu zahlen, erst einmal nach einer hohen finanziellen Belastung. Je nach Studiendauer und Modell liegen die monatlichen Kosten an der IUBH für den MBA im Fernstudium bei 439 – 899 Euro. Da man allerdings durch das Fernstudium die Freiheit hat bequem nebenher zu arbeiten, ergeben sich hier ganz andere Möglichkeiten der Finanzierung als bei einem Vollzeitpräsenzstudium. Eine weitere Option kann ein Studienkredit sein, zum Beispiel bei der KfW, die eine mögliche Auszahlung von bis zu 650 Euro anbietet. Zudem besteht die Möglichkeit sich bisher erbrachte Studienleistungen anerkennen zu lassen und somit die Studiendauer zu verkürzen, was sich positiv auf die Kosten auswirkt. Aber lohnen sich der MBA und die investierten Kosten oder anders formuliert: rentiert er sich?

Die IUBH hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben und ihre Absolventen befragt, in wie fern der MBA sie beruflich weitergebracht hat. Dabei haben 60 % der Alumni angegeben, dass sie sich durch ihren Fernstudienabschluss beruflich positiv verändert haben. Gemeint ist damit z.B. die Übernahme verantwortungsvollerer Aufgaben, eine stärkere Wahrnehmung der eigenen Qualifikationen auf Seiten der Arbeitgeber sowie allgemein bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 18 % der Befragten konnten keine Veränderung feststellen. Was den finanziellen Aspekt angeht, so haben zwei Drittel der Alumni angegeben, dass sich ihr Studienabschluss positiv auf ihr Einkommen ausgewirkt habe. Bei einem Viertel der Befragten stieg das Gehalt um über 20% an. Das hat zur Folge, dass mehr als die Hälfte der Alumni der Ansicht sind, dass sich das Fernstudium rentiert habe, sprich, dass die durch den Studienabschluss erfolgten Mehreinnahmen die Kosten für das Studium legitimiert haben. 19,1 % waren der Ansicht, dass sich ihr Fernstudium finanziell nicht rentiert habe.

Die Umfrage zeigt: ein Garant für den beruflichen Erfolg ist der MBA nicht. Allerdings gibt die Mehrheit der Absolventen an, deutliche Vorteile aus diesem Zusatzstudium gezogen zu haben. Ob und in wie weit ein MBA also für den eigenen Werdegang förderlich ist, hängt auch sehr stark davon ab, wo man beruflich hin möchte und in welcher Branche man tätig ist. Tatsache ist aber auch, dass geisteswissenschaftliche Studiengänge mitnichten immer in Verlage, Redaktionen und Museen führen, wie oftmals angenommen wird. Die Reise kann überall hingehen und da kann ein MBA ganz neue Wege eröffnen.

Wer sich weiter über das Fernstudiumangebot der IUBH informieren möchte, kann dies auf http://www.iubh-fernstudium.de tun.

There are 3 comments

  1. Carsten

    Hallo Gianna,

    wie ich in die Wirtschaft gekommen bin, als „reinrassiger“ Geisteswissenschaftler, nach 10 Jahren an der Uni und ohne jeden MBA?

    1. Primär durch das Vorweisen praktischer Berufserfahrungen in der von mir angestrebten Branche die ich mir neben dem Studium in einigen Nebenjobs angeeignet hatte.

    2. Und der völlige Verzicht darauf, auch nur zu versuchen einen Brotberuf zu finden, in dem ich mein Wissen über die Ursachen und den Verlauf des Dritten Punischen Krieges irgendwie anwenden könnte.

    3. Daneben natürlich die Entscheidung, das heimelige Hipster-Nest Berlin-Friedrichshain zu verlassen und für den ersten Job weit weg zu ziehen bzw. zu pendeln.

    4. Und ich hatte mich im Vorstellungsgepräch etwas smarter angestellt als die anderen Bewerber.

    Mehr eingentlich nicht.:-)

    Carsten

  2. Gianna Reich

    Hallo Carsten,

    Danke für deinen Kommentar! Wer ein geisteswissenschaftliches Studium abgeschlossen hat, der verliert seinen Status als Geisteswissenschaftler ja nicht durch ein Zusatzstudium. Ich denke man wird nach einem geisteswissenschaftlichen Studium und MBA eher als Geistes- und Wirtschaftswissenschaftler wahrgenommen. Und interdisziplinär aufgestellt zu sein, habe ich immer als Vorteil erlebt.

    Klar, das Problem der mangelnden Akzeptanz eines geisteswissenschaftlichen Abschlusses ist mit einem MBA nicht gelöst und es soll auch nicht als Idealweg zu verstehen sein. Die Wege, die ein Geisteswissenschaftler einschlagen kann, sind unglaublich vielfältig und ich versuche auf Geisteswirtschaft einige dieser Wege vorzustellen. Einer davon kann eben ein MBA sein, aber das hängt auch davon ab, wo man beruflich hin möchte. Wichtig ist, dass meine Leser einfach mal von der Möglichkeit gehört haben, um dann besser abwägen zu können, ob das überhaupt in Frage kommt oder nicht.

    Das es dir selbst nie an Wissen und Kompetenz gemangelt hat, um mit deinen Kollegen mitzuhalten, glaube ich gern. Interessant wäre ja zu erfahren, wie du an den Job ran gekommen bist? Wie konntest du die Entscheider von dir überzeugen? Würde mich freuen, wenn du dazu etwas sagen könntest.

    Viele Grüße
    Gianna

  3. Carsten

    Hallo !

    Alles richtig, klar ist ein MBA Abschluß ein Türöffner:

    Nur: Ein MBA Absolvent ist danach eben KEIN Geisteswissenschaftler mehr, sondern in den Augen der Wirtschaft und der Personaler, die die Bewerbungen sieben, eben jetzt ein Absolvent der Wirtschaftswissenschaften.

    Unser „Problem“, der mangelnden Akzeptanz und des mangelnden Selbstbewusstseins der Geisteswissenschaftler in Deutsschland ist damit nicht gelöst. Das vermeintliche Makel wird durch ein Zusatzstudium einfach nur überdeckt.

    Am Rande: Ich bin einer der Geisteswissenschaftler die es in eine der oben genannten Top-Posionen geschafft haben, arbeite in einem Konzern im Berufsalltag zu 90% mit BWL’lern und MBA’lern zusammen, nur ehrlich gesagt, hat es mir nie an Wissen und wirtschaftlichem Verständnis gefehlt. Da lässt sich für Jedermann leicht mithalten. Anders als einem Arzt, einem Juristen, oder auch einem Automechaniker, dem ich in seinem Beruf nie das Wasser reichen werden, lässt sich das Wissen der BWL’ler leicht und schnell erlernen, bzw. simulieren. Gelegentlich mal in den Wirtschaftsteil der FAZ reinschauen reicht aus.

    Der eigentliche Clou ist ja, dass auch bei einem BWL oder MBA Studium 98% des an der Uni gelernten Wissens in der späteren Praxis ohne jeden Nutzen sind. Dass bei man von einem Studium der Geisteswissenschaften danach sogar 99 % des Wissens nie mehr benötigt, ist also im Vergleich gar nicht so schlimm.

    Viele Grüße

    Carsten

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