GeisteswissenschaftlerInnen? Muss das sein?

Ich wurde gefragt, warum ich mit meinem Blog und dem Slogan „Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft“ keine Frauen ansprechen würde. Gemeint ist damit meine Nutzung des generischen Maskulinums. Liebe Damen, wie euch vielleicht aufgefallen ist, bin ich selbst eine Frau und es liegt mir absolut fern euch mit meinen Themen nicht ansprechen zu wollen. Vielmehr meine ich mit „Geisteswissenschaftler“ Frauen wie Männer gleichermaßen, was der Terminus „Generisches Maskulinum“ ja impliziert. Und ehrlich gesagt empfinde ich es als Haarspalterei, ob man jedes Geschlecht nun explizit mit Formulierungen wie „GeisteswissenschaftlerInnen“ anspricht. Ich bin der Meinung das jeder das Selbstbewusstsein haben sollte (und damit meine ich besonders Frauen) sich vom generischen Maskulinum angesprochen zu fühlen.

Um Missverständnisse zu vermeiden, habe ich nun auf der Startseite und in den Bereichen Über Geisteswirtschaft und Über Gianna den Begriff „GeisteswissenschaftlerInnen“ verwendet. Aber ich weigere mich diesen Begriff nun in jedem Artikel und Kontext anzuwenden, da ich gendergerechte Sprache unnötig kompliziert finde.

Ich habe zu diesem Thema auch einen schönen Artikel gefunden: http://sciencefiles.org/2014/02/04/kann-man-so-dumm-sein-teil-ii-generisches-maskulinum-und-wikipedia/. Dort heißt es:

„Ob Stefanowitsch mit seiner Behauptung Recht hat, nach der die Forschungslage zeigt, dass das generische Maskulinum “Lehrer”, bei denen, die es hören oder verwenden, vornehmlich einen männlichen Lehrer in die Vorstellung hebt, soll uns an dieser Stelle gar nicht interessieren, denn es ist aus dreierlei Gründen völlig unerheblich: Erstens sind die Gedanken frei, und wenn jemand bei Lehrer an seinen ehemaligen Mathematiklehrer denken will und nicht an seine Kunstlehrerin, dann ist das seine Sache. Zweitens leben wir in einer Demokratie und wenn die Mehrheit nun einmal in einer Demokratie mit mehrheitlich männlich vorgestellten Lehrern leben will, dann ist das zu akzeptieren, und drittens gibt es, wie Polenz schreibt, die seit dem römischen Reich die gültige Regel, nach der maskuline Personenbezeichnungen, die nicht durch den Kontext eindeutig als männlich ausgezeichnet sind, als “generische” und somit geschlechtsneutrale “Benennungen zu verstehen” sind.“

Ich bin davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft schwerwiegendere Genderfragen zu lösen hat (wie beispielsweise das Gehaltsdefizit zwischen Männer und Frauen, die Frauenquote in Unternehmen oder das Thema sexuelle Belästigung) als die der gendergerechten Sprache, auch wenn das Thema inbesondere für Sprachwissenschaftler eine gewisse Relevanz hat. Die Nutzung des generischen Maskulinums bedeutet für mich nicht, dass Frauen nicht angesprochen sind oder sogar weniger respektiert werden. Das ist eine Interpretation und letztendlich sogar eine Unterstellung.

Also lieben Damen, liebe Herren: Ich möchte niemandem mit der Nutzung des generischen Maskulinums vor den Kopf stoßen. Und allen Recht machen kann man es bekanntlich ja nie. Ich bin einfach ein Freund bzw. eine Freundin von effizienter Sprache und wünsche euch weiterhin viel Lesevergnügen auf Geisteswirtschaft!

Viele Grüße
eure (feministische) Gianna (die nicht gendert)  :)

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