Interview mit dem Online-Redakteur Denis Elbl

Denis Elbl

Denis Elbl

Herr Elbl, Sie haben Geschichte und Literaturwissenschaft an der Universität Karlsruhe studiert. Warum haben Sie sich gerade für diese Fächer entschieden?

In der Schule haben mir Deutsch und Geschichte am meisten Spaß gemacht, das waren auch meine stärksten Fächer. In Mathe, Chemie und Physik dagegen war ich eine ziemliche Niete. Ich hatte gar keine andere Wahl.

Ist Ihr Studium so verlaufen, wie Sie es sich anfangs vorgestellt haben?

Ich war der erste in meiner Familie, der studiert hat, und bin recht blauäugig an die Sache herangegangen. Insofern hatte ich keine Erwartungen, die erfüllt oder enttäuscht werden konnten. Überrascht war ich, wie viel Selbständigkeit und Eigeninitiative im Vergleich zur Schule gefordert wurden. Als Schüler wurde man ja doch sehr gepampert.

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Ich war in der privilegierten Lage, nicht arbeiten zu müssen, Miete, Essen, Kleidung, Bücher usw. konnte ich von dem Geld bezahlen, das ich von meinen Eltern bekam. Studiengebühren wurden erst zum Ende meines Studiums eingeführt. Dass ich mein ganzes Studium über dennoch unterschiedlichste Jobs hatte, diente rein der Befriedigung von „Luxuswünschen“.

Haben Sie sich während Ihres Studiums nebenher engagiert?

Auf die Uni bezogen – kaum. Ich habe im Hochschulsport als Übungsleiter gearbeitet und das eine oder andere Fachschaftsfest mitorganisiert. Darüber hinaus habe ich in der Altenpflege gearbeitet, im Telemarketing, bei der Post, habe Getränke ausgefahren. Mit Ausnahme eines Praktikums und späterer freier Mitarbeit bei einem lokalen News-Portal habe ich immer nur gearbeitet, um mir hedonistische Wünsche zu erfüllen.

Hatten Sie schon im Studium eine Vorstellung davon, welchen Beruf Sie später einmal ergreifen möchten?

Schon seit ich an Schüler- und Abizeitung mitgearbeitet hatte, wollte ich Journalist werden. Insofern waren meine Fächer durchaus mit Bedacht gewählt – und nicht alleine meiner Unfähigkeit in anderen Fächern geschuldet.

Wie viele Semester haben Sie studiert? Sind Sie damit zufrieden?

Ich war 16 Semester lang immatrikuliert. Studiert habe ich davon – keine Ahnung, zehn, zwölf? Als sich mein Studium dem möglichen Ende näherte, geriet die Medienbranche durch das Platzen der Dotcom-Blase in eine Krise, die Jobaussichten waren miserabel. Vor diesem Hintergrund sah ich keinen Grund, mein Studium schnell abzuschließen.

Sind Sie der Meinung, dass man ein Studium möglichst schnell und diszipliniert abschließen sollte um so früh wie möglich in den Arbeitsmarkt einzusteigen oder sollte man die Unizeit nutzen, um sich selbst auszuprobieren und auch einmal über den Tellerrand zu schauen?

(Lacht) Und das fragen Sie, nachdem ich zugegeben habe, dass ich 16 Semester studiert habe? Wie glaubwürdig wäre es, wenn ich jetzt sagen würde, Leute, gebt Gas, denkt dran, dass ihr schnell in den Job müsst, um lange genug in die Rentenkasse einzubezahlen? Im Ernst: Ich halte die sture Ausrichtung von Lebensläufen an den Verwertungsmechanismen und Anforderungen des Arbeitsmarktes für fatal. Ich wollte mich nie ausschließlich über meine Arbeit – im Sinne von Erwerbstätigkeit, wohlgemerkt – definieren. Angesichts dessen, dass die Rente mit 67 meiner Meinung nach noch nicht das Ende der Fahnenstange sein wird, möchte ich gerne sagen: Lasst euch Zeit. Werdet Mensch. Reist. Lebt. Der Erfahrungsschatz, den ihr dabei gewinnt, wird euch in jedem Job mindestens so viel bringen, wie alle binnen weniger Jahre eingepaukte fachliche Kompetenz. Und ein guter Personaler erkennt das auch im Vorstellungsgespräch. Aber offen gesagt: Ich wollte heute nicht in der Haut eines jungen Menschen stecken, der vor dem Eintritt in den Arbeitsmarkt steht.

Wie ging es in der Zeit nach der Uni bis heute für Sie weiter?

Volontariate waren zu jener Zeit kaum zu finden, also machte ich Praktika in den Bereichen PR, Journalismus und Werbung. Da ich durch den, sagen wir, gemächlichen Fortgang meines Studiums die Gelegenheit hatte, mich sehr gut zu vernetzen, kam ich dann bald an den Punkt, an dem ich merkte, dass ich mich als Freiberufler behaupten könnte. Tatsächlich wurde ich weiterempfohlen und kam zu weiteren Kunden, darunter dpa, BNN, Rheinpfalz, INKA. Offenbar war ich als freier Journalist nicht ganz schlecht. Schlussendlich bekam ich dann das Angebot, erst Chefredakteur, dann Redaktionsleiter bei ka-news.de zu werden.

Aktuell arbeiten Sie als Online-Redakteur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Wie darf man sich Ihre Tätigkeit vorstellen?

Mit dem Wechsel ans KIT habe ich gewissermaßen die Fronten gewechselt, zur Öffentlichkeitsarbeit. In der Abteilung Neue Medien bin ich verantwortlich für die Auswahl, teilweise auch Verfassen der Nachrichten auf der KIT-Homepage bzw. die Beiträge auf den Social Media-Kanälen des KIT bei Facebook und Twitter. Am ehesten als journalistisch kann man meine Arbeit für clicKIT bezeichnen, das Onlinemagazin für die KIT-Studierenden. Darüber hinaus pflegt die Onlineredaktion alle zentralen Seiten auf www.kit.edu und berät andere Organisationseinheiten des KIT beim Erstellen oder Umgestalten von Webseiten.

Was haben Sie, resümierend betrachtet, in Ihrem Studium aber auch in Ihrem außeruniversitären Engagement gelernt, was Ihnen bei Ihrer aktuellen Tätigkeit von Nutzen ist?

Im ersten Semester sagte der Dozent einer Einführungsveranstaltung in Geschichte: „Wichtig ist nicht, dass Sie alles wissen. Wichtig ist, dass Sie wissen, wie Sie das finden, was Sie nicht wissen.“ Zu einer Zeit, als die Antwort auf alle Fragen noch nicht Google oder Wikipedia hieß, war das ein durchaus berechtigter Hinweis. Gerade als nicht hochspezialisierter Lokaljournalist dilletiert man ja oft auf hohem Niveau und soll den Lesern Dinge erklären, von denen man bislang selbst keine oder kaum Ahnung hatte – sich diese Dinge in kurzer Zeit anzueignen, das habe ich im Studium gelernt. Die Erfahrungen aus meinen Nebenjobs halte ich aber für nicht minder wichtig. Wenn Journalisten über die Ursachen von Geringqualifizierung oder die Streichung von Steuervorteilen für Nachtarbeitszuschläge schwadronieren, werde ich hellhörig, denn ich verbinde damit die Erfahrungen und Biographien echter Menschen, keine Statistiken.

Was würden Sie Studenten / Absolventen raten, die einmal in Ihrem Beruf / Ihrer Branche tätig werden wollen? Was sollen sie beachten?

Bekanntlich sind die Berufsaussichten derzeit im Journalismus nicht die besten, und dass es in der PR-Branche besser aussieht, ist ein Symptom der Krise der Zeitungsverlage – ich selbst kam zur PR, weil ich als Journalist zum Zeitpunkt meines freiwilligen Ausscheidens bei ka-news keine Perspektive sah. Wer sich dennoch für den Journalismus entscheidet, sollte sich möglichst früh in Praktika ausprobieren. „Eine flotte Schreibe“ alleine macht noch keinen Journalisten. Letztlich kommt es im Journalismus auf Eigenschaften und Werte an, die auch in anderen Berufsfeldern darüber entscheiden, ob man Erfolg hat, mitschwimmt oder scheitert: Beharrlichkeit, Lernbereitschaft, Leidenschaft. Und wer PR machen will, muss sich die Frage stellen, ob er bereit wäre, Öffentlichkeitsarbeit für einen Chemiekonzern oder einen Waffenhersteller zu machen. Ich wollte nicht mit meiner Arbeit ein Unternehmen „gut dastehen lassen“, wenn das Tun dieses Unternehmens nicht mit meinen Wertvorstellungen zu vereinbaren wäre.

Würden Sie aus heutiger Sicht gesehen noch einmal Ihr Fach studieren? Oder würden Sie sich dieses mal für etwas anderes entscheiden?

Wie ich eingangs sagte: Ich kann ja nichts anderes! (Lacht) Schwer zu sagen, das Studium, wie ich es absolviert habe, das gibt es ja gar nicht mehr. Ich weiß nicht, ob mir ein derart verschultes Studium heute noch Spaß machen würde. Vielleicht würde ich heute auch „etwas Anständiges“ lernen. Zum Beispiel Landschaftsgärtner.


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