Interview mit den Gründerinnen Nora Benterbusch und Miriam Reif

Hallo Miriam, Hallo Nora, Aktion Analogstellt euch doch bitte kurz vor.

Nora:
Hallo, mein Name ist Nora Benterbusch. Ich bin Studentin der Kunstgeschichte und Angewandten Kulturwissenschaften am KIT und einfach nicht ausgelastet mit meinem Studium. Deshalb suche ich mir immer wieder neue Herausforderungen: Nach über drei Jahren aktiver ehrenamtlicher Arbeit im Studentenzentrum Z10 kam nun Aktion Analog.

Miriam:
(lacht) Ich muss betonen, dass in Noras Bemerkung, zur zeitlichen Auslastung im Studium, doch einiges an Ironie steckt! Mein Name ist Miriam Reif. Ich studiere Europäische Kultur und Ideengeschichte und Angewandte Kulturwissenschaften am KIT und gemeinsam mit Nora bin ich Vorsitzende des gemeinnützigen Kunst- und Kulturvereins Aktion Analog.

Was macht ihr im Rahmen des Kunst- und Kulturvereins Aktion Analog und wie kam es zu der Gründung?

Nora:
Wie so oft hängen Theorie und Praxis doch zusammen: Wir hatten im Seminar „Management of Innovation“ die Aufgabenstellung über die Umsetzung einer innovativen Idee in unserem zukünftigen Kulturberuf eine Hausarbeit zu schreiben. Eines meiner großen Anliegen ist die Verbesserung der Vermittlung von Kunst, weshalb ich auch später im Bereich der Museumspädagogik arbeiten möchte und meine innovative Idee natürlich auch in diesem Bereich verortet war – eine Ausstellung zur Geschichte der perspektivischen Darstellung in der Malerei. Als ich nun Miriam von dieser Idee erzählte war sie wie ich sofort genauso begeistert und wollte sie unbedingt umsetzen.

Miriam:
Ja, die Ausstellungsidee hat mich direkt inspiriert. Wir haben lange über die Grundlagen und Möglichkeiten gesprochen, wie eine solche Darstellung zu vermitteln wäre. Als das grobe Konzept von „blickwinkeln.“ stand, mussten wir uns überlegen, wie wir eine Ausstellung in diesem Umfang auf die Beine stellen wollen.

Nora:
Aus unserer früheren Zusammenarbeit innerhalb des Ausstellungsprojekts „Der gläserne Mensch – Leben im Schaufenster“ wussten wir bereits, dass es ohne institutionelle Basis kaum möglich sein würde ein solches Großprojekt wie „blickwinkeln.“ umzusetzen. Aus diesem Anlass entstand also die eigentliche Idee den Verein zu gründen. Der Name stammt noch aus diesem ersten Projekt.

Miriam:
Wir suchten also Menschen, die genauso wie wir an Kunst und Kultur, sowie deren Umsetzung und Organisation interessiert sind. Schnell haben wir aber bemerkt, dass in einem Verein wie diesem ein hohes Potential steckt. Hier können Kulturaffine ihre Ideen einbringen und finden gleichzeitig die notwendigen Strukturen, viele Helfer aus den unterschiedlichsten Bereichen und das Know-How, diese Ideen zu verwirklichen.

Nora:
Uns wurden einfach die Chancen, die so ein Verein bieten kann bewusst. Wir möchten mit dem Verein Aktion Analog jedem die Möglichkeit bieten eigene kulturelle Ideen umzusetzen und Erfahrungen im Kulturbereich zu sammeln.

Miriam:
Zusätzlich zu dem Verein haben wir die Hochschulgruppe „Aktion Analog“ am KIT gegründet. Das erleichtert für viele Studierende unterschiedlichster Fachrichtungen den Einstieg in die praktische Arbeit. Wir wollen auch dadurch die besondere Nähe zu den Lehrinhalten herausstellen, die bei uns ihre Anwendung finden.

Nora:
Außerdem ist es für viele Studierenden üblich neben dem Studium Praktika zu absolvieren, um sich für die Arbeitswelt zu qualifizieren. Unserer Meinung nach ist das aber nicht die einzige Möglichkeit praktische Erfahrungen zu sammeln, zumal diese Praktika oft unbezahlt und stumpfsinnig sind. Wir bestimmen unsere Projekte selbst und führen sie eigenverantwortlich, von Anfang bis Ende durch. Das ist ein Lernprozess, den man in wohl kaum in einem Praktikum finden kann und wir haben auch noch Spaß dabei! Es ist eben vor allem die Realität und die Verantwortung, die den Hauptunterschied machen. Unsere Projekte sind keine Planspiele, bei denen man mit fiktiven Zahlen und Personen umgeht. Wir müssen ordentlich kalkulieren, echte Sponsoren akquirieren, mit öffentlichen und privaten Stellen bezüglich Genehmigungen und Unterstützungen verhandeln. Bei allem, was wir tun, stehen wir mit unserem Namen und unseren Vorhaben in einer gewissen Öffentlichkeit und Verantwortung. Wenn wir Partner haben, müssen wir uns um sie bemühen. Wenn wir Verträge abschließen, müssen wir dafür sorgen, dass sie eingehalten werden. In der Uni hat man selbst in dem praktischsten Seminar „Kulturmanagement“, bei dem man ein reales Projekt umsetzen muss, immer noch den Dozenten und den „Studentenbonus“ im Rücken. Bei der Vereinsarbeit nicht und das ist nach meiner Erfahrung eben genau das, was den größten Unterschied macht.

Miriam:
In der Angewandten Kulturwissenschaft heißen die Seminare mit dem größten, berufsqualifizierenden Bezug „Mitarbeiterführung“, „Projektmanagement“, „Grundlagen der Organisation“ und „Kulturmanagement“. Wie Nora schon erwähnte, wird in der Mehrzahl der Seminare durch Planspiele ein Lerneffekt erzielt. Dieser reicht jedoch nur soweit, bis man den geschützten Raum verlässt. Die Uni kann dir gewisse Techniken beibringen. Wie erstelle ich einen Projekt-, oder Meilensteinplan, was bedeutet Projektmanagement, wie koordiniere ich Arbeitspakete?
Die Aha-Erlebnisse begegnen dir jedoch erst dann, wenn du die Theorie in die Praxis überführen kannst. Hier findest du den größten Zugewinn an Erfahrung und praktischem Wissen. Genau das ist es, was der Verein und die Hochschulgruppe ihren Mitgliedern bieten können.

Und gibt es auch Studieninhalte, von denen ihr bei eurer Vereinsarbeit profitiert?

Nora:
Natürlich gibt es gerade im Nebenfach „angewandte Kulturwissenschaft“ theoretische und teilweise praktische Einblicke in die Kulturarbeit – von Kulturmanagement, Pressearbeit, Kreativtechniken bis hin zu Mitarbeiterführung. Jedoch sind es eben meiner Erfahrung nach genau eben nur das: Einblicke. Das „zu Ende denken“ und vor allem das Arbeiten geschehen in der Praxis und damit im Verein.

Was steht bei euch als nächstes an bzw. welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Miriam:
Unser erstes Großprojekt wird die Ausstellung „Lebende Bilder“ sein. Hier werden Kunstwerke dargestellt, also „zum Leben erweckt“ und in anderem Kontext neu interpretiert. Die Veranstaltung wird auf dem Areal des Schlossvorplatzes stattfinden. Wir arbeiten dafür mit verschiedensten Karlsruher Kunst- und Kulturschaffenden zusammen und dürfen auf die Umsetzung schon gespannt sein!

Nora:
Vormals war das Projekt schon für 2013 angedacht, doch da einer unserer externen Partner an dem einzig möglichen Termin für Sasha Waltz tanzt, haben wir die Lebenden Bilder in das Frühjahr 2014 gelegt. Damit haben nun auch die kommenden Studienanfänger des Wintersemesters die Möglichkeit an dem Projekt mitzuwirken, was uns sehr freut.

Miriam:
In der nächsten Zeit werden wir ein paar kleinere Aktionen und Konzerte auf die Beine stellen, die dazu dienen unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und auch mehr Geld in die Vereinskasse zu bringen. Kulturveranstaltungen wie die „Lebenden Bilder“ müssen finanziert werden, zumal hier auch kein Eintritt verlangt wird. Fundraising und Sponsoring sind zusätzliche Arbeitsbereiche auf die wir uns konzentrieren.

Nora:
Ja, bleibt abschließend noch zu sagen, dass wer dieses Interview liest, herzlich eingeladen ist mehr über uns und den Verein auf unserer Homepage www.aktion-analog.de zu erfahren. Natürlich kann man uns auch einfach bei einer unserer wöchentlichen Sitzungen kennenlernen. Wir treffen uns immer montags um 19:00 Uhr im Studentenzentrum Z10 in Zähringerstr. 10 in Karlsruhe.

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