Monster zähmen

Monster zähmen heißt das Übungs- und Unterhaltungsbuch für GeisteswissenschaftlerInnen auf Jobsuche und man möchte meinen, dass der Titel erst einmal etwas befremdlich bis verspielt klingt. So ist man von Ratgebern doch gewohnt, dass diese wenig mit Unterhaltung und sondern vielmehr mit Ratschlägen und knallharten Fakten zu tun haben. Umso mehr freut es mich zu sehen und vor allem zu lesen, dass auch die Ratgeberliteratur sehr gut mit einer Prise Humor funktionieren kann ohne dabei ihren inhaltlichen Mehrwert zu verlieren.
Zum Monster zähmen lädt Ulrike Schneeberg ein. Sie ist Trainerin und Dozentin für Berufsorientierung und arbeitet darüber hinaus in der Kommunikationsberatung für Organisationen und Unternehmen. Zudem ist sie selbst Geisteswissenschaftlerin, hat Literatur und Sprachen an verschiedenen Universitäten studiert und kennt sich bestens mit dem ewigen Lied des „Und was willst du später mal machen?“ aus.

Aber welche Monster gilt es nun zu zähmen? Schneeberg hat ihr Buch wirklich geschickt aufgebaut: Anstatt Lehrerhaft dem Leser zu erzählen, was er tun oder lassen soll, war ihre Idee, einfach 25 GeisteswissenschaftlerInnen von ihren Biografien erzählen zu lassen, inklusive ihrer eigenen Erfahrungen. Dabei lässt sie ihre Interviewpartner aber nicht einfach nur erzählen, sondern sie nutzt deren Antworten und Erfahrungen um daraus für bestimmten Themen Schlüsse zu ziehen, beispielsweise wie andere Menschen mit dem Thema Orientierungslosigkeit umgegangen sind. Und schlägt dem Leser anschließend Übungen vor, mit denen man seine eigenen Monster angehen kann. Wie diese Monster aussehen können, ist von Mensch zu Mensch verschiedenen: Die einen schlagen sich mit Erwartungsdruck rum, die anderen sind unfähig Entscheidungen zu treffen und wieder andere haben noch gar keine Idee von der (beruflichen) Zukunft. Und anstatt darüber zu verzweifeln, will Schneeberg ihre Leser lieber mit auf eine kleine Reise nehmen, bei der man Schritt für Schritt dank diverser kleiner Übungen und dem Input von 25 Leidensgenossen ein bisschen mehr Licht ins Dunkle bringt.

Zu Beginn des Buches stellt Schneeberg sich, ihre Intention sowie ihre 25 Interviewpartner vor. Dabei geht es vor allem darum, was die Interviewpartner studiert haben, welche Stationen sie durchliefen, wo sie aktuell arbeiten, wie ihre Tätigkeiten aussehen, was sie verdienen, welche Arbeitszeiten sie haben und welche Wünsche in Bezug auf ihre berufliche Tätigkeit noch offen sind. Danach behandelt jedes Kapitel ein anderes Thema, welches Geisteswissenschaftler auf dem Weg ins Berufsleben so umtreibt: Orientierung, Entscheidung, Bewerbung, Geld, Netzwerke, Tätigkeiten mit Sinn, Familiengründung, Selbstständigkeit, Motivation und der Umgang mit Schwierigkeiten. Die Kapitel sind dabei immer ähnlich aufgebaut: Es beginnt mit einem Einstiegstext ins Thema, dann kommen Tipps und Erfahrungen der Interviewpartner zur Sprache und am Ende gibt es kleine Übungen, mit deren Hilfe man sich den verschiedenen Themen nähern kann.

Insgesamt finde ich das Konzept von „Monster zähmen“ wirklich spannend und vor allem erfrischend. Das Buch liest sich sehr gut und man hat eher das Gefühl einen lehrreichen Roman vor sich zu haben, als einen Ratgeber. Es macht schlicht und ergreifend Spaß, die verschiedenen Interviewpartner „kennen zu lernen“ und wie offen sie über ihre Jobs und den Weg dahin reden. Auch schön ist, dass das Thema Familienplanung hier ebenfalls Erwähnung findet. Warum? Schneeberg sagt dazu wunderbar selbstironisch: „Kinder und Geisteswissenschaften und dann auch noch als Frau, das kommt mir manchmal vor wie eine Mehrfachbehinderung. Deswegen muss das auch in mein Buch.“

Monster zähmen von Ulrike Schneeberg
288 Seiten // 24,00 € // ISBN: 978-3-944442-66-2

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