Surftipps Juni 2015

Hier findest du meine Surftipps aus dem Juni 2015, die bei meiner persönlichen Recherche und Lektüre zusammen gekommen sind:

Eine Uni wird geräumt – „Im November 2014 wurde bekannt, dass die Universität Amsterdam massiv umstrukturiert werden soll. Vorgesehen war, die gegenwärtig 28 geisteswissenschaftlichen Bachelorstudiengänge durch einen einzigen Liberal-Arts-Bachelor nach amerikanischem Vorbild zu ersetzen. So sollte es keine eigene Germanistik, Geschichte oder Philosophie mehr geben, sondern nur noch frei wählbare Einzelkurse. Die „kleinen Sprachen“, darunter selbst die UN-Amtssprache Arabisch, sollten fast ganz verschwinden.“

Wie Arbeitslosigkeit unter die Haut geht – „Unsere Arbeitswelt ist derart spezialisiert, dass es praktisch keinen Job mehr gibt, für den ein Neueinsteiger gleich alle Kompetenzen mitbringt. Dies bedeutet, dass Mut zur Lücke und die Bereitschaft, stets dazuzulernen, Grundvoraussetzung für die berufliche Neuorientierung sind.“

Es braucht einen Wettbewerb für Gesellschaftsfragen – „Gerade für Jugendliche, die kritikarm zwischen Datenfluten und Bildschirmen groß werden, gäbe es tausende spannender, „analoger“ Fragen, zu denen Fächer wie Ethik, Kunst, Deutsch, Geschichte und Politik inspirieren können.“

Nächstes Ziel: Professur – „Ab einem bestimmten Zeitpunkt macht es Sinn, einen „Plan B“ zu entwickeln. Wenn Sie Anfang 40 sind und noch keine unbefristete Stelle erreicht haben, sollten Sie sich überlegen, ob Sie in einen außer-universitären Beruf wechseln wollen. Je länger Sie ausschließlich im Wissenschaftsbetrieb gearbeitet haben, desto schwieriger wird ein Wechsel. Und auch für die persönliche Lebensplanung ist es wichtig, sich irgendwann für einen Weg zu entscheiden, wenn die Chancen zusehends geringer werden.“

Xing-Salabim und raus bist du – „Manchmal können die Social-Media-Aktivitäten von Bewerbern das Zünglein an der Waage bilden. Schon mehr als jeder siebte Personalchef (15 Prozent) hat sich schon einmal aufgrund einer Online-Recherche über einen Bewerber dazu entschieden, ihn lieber doch nicht zum Vorstellungsgespräch einzuladen.“

Die Verschulung des Geistes – „Die möglicherweise verheerendste Auswirkung auf die geisteswissenschaftliche Fächerkultur hat die Orientierung der Wissenschaftspolitik an der Naturwissenschaft.“

Geisteswissenschaftler: Wir brauchen euch! – „Seiner Meinung nach zeichnen sich Geisteswissenschaftler allgemein durch ein breit gefächertes Wissen und einer großen Offenheit gegenüber vielen Dingen aus. Auch dadurch, dass Geisteswissenschaftler im Studium – anders als Jura- oder Lehramtsstudenten – nicht direkt auf ein klares Ziel hinarbeiten. Denn dadurch sei man gezwungen, selbstständig herauszufinden, wohin der eigene Weg hingehen soll, so Günther weiter. Dafür sind die Wege auch vielfältiger und es gibt wohl kaum so viele Nischen wie für Geisteswissenschaftler.“

„Das Vorurteil vom geisteswissenschaftlichen Misserfolg auf dem Arbeitsmarkt“ – „Das heißt, meist ist gar nicht richtig klar, weshalb Geisteswissenschaftler können, was sie in vielfältigen Berufsfeldern tagtäglich leisten. Diese Unkenntnis zeichnet den gängigen gesellschaftspolitischen Diskurs in der Schweiz weitgehend aus, während der Arbeitsmarkt sich dieser Kompetenzen sehr wohl bewußt ist und sie – vielleicht eher implizit als explizit – nachfragt, absorbiert und auch angemessen remuneriert.“

Handwerker sind nicht gebildet, oder ein fundamentaler Denkfehler über den Lohn der Bildung – „Nein, am Ende könnte vor allem eine Fähigkeit wichtiger werden als alles andere: Die Fähigkeit zur höheren Kommunikation. Denn was bleibt übrig, wenn sowohl Dienstleistungen als auch Produkte mit Maschinen produziert werden können? Ein riesengroßes Kommunikationsloch, Milliarden Missverständnisse, Abstimmungshemmnisse, interkulturelle und intellektuelle Barrieren, Teamdesaster und unbedingt zu verhinderndes Groupthink. Es geht bei dieser Kommunikation nicht um Sprache, sondern darum, die Dilemmata des Verbalen und Nonverbalen zu lösen.“

Ich bin Ghostwriter und nicht gerade stolz darauf – „Prinzipiell ist akademisches Ghostwriting nur die logische Konsequenz aus generellen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft: Wer die Wirkung der allgegenwärtigen Rhetorik von Aufschwung, Leistung, Geschwindigkeit und Wachstum beobachtet, sollte sich nicht über Studenten wundern, die keine Zeit mit umfassender Bildung verschwenden, sondern darauf aus sind, ihr Studium möglichst schnell und ohne Aufwand hinter sich zu bringen, um sich endlich dem Geldverdienen widmen zu können.“

Mit Goethe gegen Hitler – „Als Student, der Hegel, Kant oder Smith tatsächlich liest, insbesondere, wenn es nicht geprüft wird, ist man in der Minderheit. Auch vor dem Bachelor war Durchkommen das Ziel, und genervte Fragen à la „wofür brauche ich Jean Paul, wenn ich ins moderne Verlagswesen will?“, virulent.“

Post Your Thoughts