Und in fünf Jahren schreib ich Buchkritiken

41W6klZaNDL._SY344_BO1,204,203,200_Als ich auf das Buch Und in fünf Jahren schreib ich Buchkritiken von Inga Lüders aufmerksam wurde, musste ich es gleich bestellen. Ein Ratgeber, der sich auf die Fahne geschrieben hat, mit den gängigen Klischees rund um das Germanistikstudium aufzuräumen, muss ich gelesen haben.

Und der Blick ins Inhaltsverzeichnis ist vielversprechend. Die 192 Seiten teilen sich in 16 Kapitel auf, die kein Thema auslassen:

  1. Einleitung
  2. Das Studienfach Germanistik
  3. Das Studium
  4. Auslandsstudium
  5. Das Praktikum
  6. Die Kommilitonen
  7. Die Dozenten
  8. Nebenjobs
  9. Freizeit
  10. Finanzielles
  11. Wohnen
  12. Berufsperspektiven
  13. Bewerbung
  14. Das Fazit
  15. Weiterführende Informationen
  16. Quellenverzeichnis

Es fängt auch gar nicht schlecht an. Zu Beginn wird erklärt, was ein Germanistikstudium ausmacht, mit welchen Inhalten man sich dort beschäftigt und welche Voraussetzungen man mitbringen sollte. Aber während in Kapitel 2 „Das Studienfach Germanistik“ noch mit Klischees aufgeräumt wird, werden in Kapitel 6 „Die Kommilitonen“ leider wieder etliche Klischees bedient. Dort heißt es zum Beispiel:

Karohemd und Samenstau, ich studier´Maschinenbau. Das gilt auch für MINT(MatheInformatikNaturwissenschaftenTechnik-) Studenten. Die sind männlich und gerade der Pubertät, aber noch nicht dem Hotel Mama erwachsen. Lara Croft bleibt die einzige Verbindung zum anderen Geschlecht. In Zeiten des Fachkräftemangels wissen jedoch alle, dass die Jungs mal richtig gutes Geld verdienen werden und nicht ewig Jungfrau bleiben, denn schließlich haben sie guten Zugang zu Flirtgelegenheiten. So müssen sie zur Stelle sein, wenn die Designstudentin das Uni-WLAN auf ihrem MacBook Air nicht eingerichtet bekommt oder die BWL-Schnecken Mathenachhilfe brauchen.

Ganz abgesehen von der Frage, wer heute noch Lara Croft spielt, kann ich dieser Beschreibung nichts abgewinnen, selbst wenn ich sie mit Humor zu betrachten versuche. Wer selbst nicht die ewige Nummer vom taxifahrenden Geisteswissenschaftler hören will, sollte vorsichtig darin sein, andere Fächer in ihren Klischees zu ertränken. Besonders Studienanfängern würde es gut tun, unvoreingenommen auf andere Fachbereiche zuzugehen, vielleicht auch mit der Perspektive voneinander lernen zu können, anstatt mit solchen Vorurteilen gefüttert zu werden. Zwar bekommen die Germanisten selbst auch ihr Fett weg („Socken zu Sandalen kann man am germanistischen Institut auch dann sehen, wenn es gerade keine neue Histermode ist.“), aber die Frage, was diese ganze durch-den-Kakao-ziehen soll, bleibt für mich offen.

Auch das Kapitel „Berufsperspektiven“ fällt leider etwas mager aus. Den Einstieg macht der Beruf des Deutschlehrers, der hier auch als einziger in aller Ausführlichkeit beleuchtet wird, was vermutlich der Tatsache geschuldet ist, dass die Autorin Frau Lüders selbst als Lehrerin an einem Gymnasium unterricht. Danach kommen noch „Lehrer in der Erwachsenenbildung“, „Wissenschaftliche Laufbahn“, „Bibliothekar“, „Journalist“, „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“, „Lektor“ sowie „Dramaturg“. Unter „Weitere Jobmöglichkeiten“ wird noch kurz auf die Medien- und Kulturbranche im allgemeinen verwiesen, aber davon, dass Germanisten auch im Marketing oder in der Unternehmenskommunikation oder in Personalabteilungen arbeiten können und das sogar in fachfremden Branchen wie der IT oder Automobilindustrie – das wird mit keinem Wort erwähnt.

Als Fazit kann ich das Buch Und in fünf Jahren schreib ich Buchkritiken leider nur bedingt empfehlen. Es fängt zwar ganz gut an mit der Beschreibung des Fachs und hat zudem einen angenehm lockeren Schreibstil. Aber inhaltlich fehlt mir etwas der Tiefgang und die Ernsthaftigkeit, was wirklich schade ist, insofern die Aufmachung des Buches und die Idee, mit Klischees aufzuräumen, wirklich Potential gehabt hätte.

In Kapitel 15 unter „Weiterführende Informationen“ wird das Buch Germanistik studieren: Eine praxisorientierte Einführung von Simone Finkele und Stefan Scherer genannt, welches ich bereits hier auf Geisteswirtschaft vorgestellt habe. Und wer nun tatsächlich überlegt Germanistik zu studieren, wem würde ich auch eher zu diesem Titel raten.

 

Und in fünf Jahren schreib ich Buchkritiken: Was man wissen muss, bevor man Germanistik studiert.
von Inga Lüders
192 Seiten // 9,95 € // ISBN: 978-3944296074

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