Und, was machst du so?

Und was machst du so GeisteswirtschaftNatürlich dreht sich Geisteswirtschaft um das Thema Berufseinstieg und wie man sich möglichst gut darauf vorbereiten kann. Aber so wichtig und sinnvoll mir das Thema auch erscheint – Arbeit ist nicht alles. Wir sind es gewohnt uns in der Gesellschaft über unseren Beruf zu definieren. Lernt man jemanden neu kennen, kommt irgendwann die obligatorische Frage „Und, was machst du so?“ die im Grunde so viel heißt wie „Und, wo arbeitest du so?“ oder „Bist du eigentlich nützlich?“. Natürlich kann der eigene Job Spaß machen und auch sehr erfüllend sein, aber man sollte nie aus den Augen verlieren, dass es auch ein Leben außerhalb der Arbeit gibt. Und um mich selbst immer mal wieder daran zu erinnern, lese ich zwischendurch auch gern arbeitskritische Literatur. Nicht weil ich nicht gern arbeite oder blogge oder keinen Spaß daran habe, sondern weil ich mich nicht einzig und allein über meinen Job definieren möchte.

Das dachte sich wohl  auch der Philosoph und Journalist Patrick Spät als er „Und, was machst du so?: Fröhliche Streitschrift gegen den Arbeitsfetisch“ geschrieben hat. Kritisch hinterleuchtet er den Begriff der Arbeit und wie sehr das Prinzip Arbeit unser ganzes Leben durchdringt. Wir verdienen nicht nur unsere Brötchen, nein wir leisten auch Beziehungsarbeit, arbeiten an unserem Körper und unserer Lebensweise, als ließe sich alles erreichen wenn man eben nur (hart) daran arbeitet. Ständig an allem zu arbeiten scheint sogar ein besonders deutsches Phänomen zu sein, wie Spät feststellt. Er geht der Sache auf den Grund und zeigt auf, dass wir das Prinzip Arbeit fast schon mit der Muttermilch aufsaugen. Unsere Geschichte ist ebenso davon geprägt wie unsere Religion – Arbeit scheint das Zentrum unseres Lebens. Aber zu welchem Preis und zu welchen Bedingungen arbeiten wir eigentlich? Und warum fällt es so schwer sich von diesem Wahn locker zu machen? Dabei kritisiert Spät nicht nur, er liefert auch Gegenentwürfe und nennt Beispiele, wie man im kleinen aber auch im großen Veränderungen schaffen könnte.

Wer sich also schon einmal gefragt hat, ob das Leben nicht mehr bereit hält als arbeiten zu gehen und Überstunden zu kloppen und ob man vielleicht die Prioritäten in seinem Leben einmal überdenken sollte, der findet in dieser fröhlichen Streitschrift gegen den Arbeitsfetisch sicher neue Einsichten und Inspirationen. Vielleicht eine gute Lektüre für die anstehende Weihnachtszeit, in der man ja traditionell eigentlich ein wenig zur Ruhe kommen sollte.

Ganz nebenbei erwähnt ist das Buch nicht nur etwas für den Geist sondern auch was fürs Auge: Das Layout und die Kapitelunterteilung lässt mein Mediengestalterherz höher schlagen! Einen Blick ins Buch gibt es HIER.

 

Und, was machst du so?: Fröhliche Streitschrift gegen den Arbeitsfetisch von Patrick Spät
168 Seiten // 9,90 € // ISBN: 978-3-85869-616-8

 

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