Vom Arbeiterkind zum Akademiker

Bildungstrichter

Bildquelle: http://www.studentenwerke.de

Wie man der Grafik der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks entnehmen kann, hängt in Deutschland die Wahrscheinlichkeit, ob ein Kind studieren wird, in einem gewissen Maße vom Bildungsstand der Eltern ab. So zeigt die Studie, dass von 100 Akademikerkindern 77 ein Studium aufnehmen. Dagegen studieren von 100 Nicht-Akademikerkindern lediglich 23 obwohl doppelt so viele die Hochschulreife erreichen. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Sorge über die Studienfinanzierung bis zur Angst vor der unbekannten Welt namens Universiät.

Ob jemand nach dem Abitur studiert oder lieber eine Ausbildung macht, ist selbstverständlich jedem freigestellt. Nicht jeder, der das Abi in der Tasche hat, muss auch studieren und das ist gut so. Aber wer studieren will, der sollte auch die Chance dazu erhalten und in seinem Wunsch gestärkt werden – unabhängig aus welchem Elternhaus er kommt. Diesen Gedanken verfolgte auch die Gießener Doktorandin Katja Urbatsch im Mai 2008 und gründete gemeinsam mit ihrem Bruder Marc Urbatsch und ihrem Partner Wolf Dermann sowie zwei Kolleginnen aus ihrem Gießener Graduiertenzentrum das Internetportal ArbeiterKind.de. Gestärkt durch zahlreiche Studenten und Akademiker der ersten Generation, die sich als ehrenamtliche Mentoren engagierten, wuchs ArbeiterKind.de zu einem Netzwerk heran, dem sich inzwischen über 5.000 ehrenamtliche Mentoren an 70 Standorten angeschlossen haben. Die Mentorinnen und Mentoren der lokalen ArbeiterKind.de-Gruppen führen beispielsweise Informationsveranstaltungen in Schulen und Hochschulen durch, bieten regelmäßige Stammtische und Sprechstunden für Schüler, Studierende und Eltern an, sind auf Bildungsmessen vertreten oder beantworten E-Mail-Anfragen. Seit rund einem Jahr gibt es sogar ein ArbeiterKind.de-Infotelefon, von dem bereits um die 1100 Anrufer Gebrauch gemacht haben.

Hemmschwellen abbauen – das hat sich ArbeiterKind.de auf die Fahnen geschrieben und das ist auch notwendig, wenn man Geschichten wie DIESE auf ZEIT ONLINE ließt, die von dem steinigen Weg eines Arbeiterkindes berichtet: „Lehrerempfehlungen werden von Angehörigen einer bildungsfernen Schicht – dazu zählt meine Mama – meist hingenommen. Akademiker dagegen kämpfen um die Zukunft ihrer Kinder, sie schieben sie mit aller Macht in Richtung Abitur. Geld für Nachhilfe haben sie, und wenn nichts mehr hilft, drohen sie mitunter mit dem Anwalt. Bei meiner Mama dagegen genügten ein paar Worte des Lehrers, um den Zweifel an meiner Leistungsfähigkeit zu säen. Einen Zweifel, der mich jahrelang begleiten sollte.“

Welche Erfahrungen Katja Urbatsch selbst gemacht hat, die im übrigen auch eine Akademikerin der ersten Generation ist, erzählt sie unter anderem in ihrem Beitrag Zwischen zwei Welten – Herausforderungen für Studierende der „ersten Generation“ der im Sammelband Was bildet ihr uns ein erschienen ist.

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