Warum Bewerben schon vor dem ersten Jobangebot beginnt

Seien wir mal ehrlich: die meisten von uns setzen sich doch erst mit ihren Bewerbungsunterlagen auseinander, wenn sie einen Job suchen. Ohne ein konkretes Jobangebot vor Augen, ist die Motivation gering mal ein wenig am eigenen Lebenslauf zu arbeiten oder Zeugnisse zu scannen. Wenn es dann soweit ist und sich eine interessante Stelle aufgetan hat (zum Beispiel ein cooler Werkstudentenjob), dann wird hastig alles nötige zusammengesucht, schnell der Lebenslauf geschrieben und fertig.

Das kann man so machen. Für den ein oder anderen Job mag es auch ausreichen um eingeladen zu werden. Wer aber auf Nummer sicher gehen will und den Anspruch hat, wirklich gute und professionelle Unterlagen von sich einzureichen, der beginnt mit seinen Vorbereitungen noch VOR dem ersten richtigen Job.

Faustregel: 6 Monate vor dem ersten Job die Unterlagen zusammenzustellen

Ich empfehle sich mit Beginn des Studiums auch den eigenen Bewerbungsunterlagen zu widmen. Wer dann schon auf Jobsuche ist, um sich im Studium etwas dazuzuverdienen, sollte natürlich deutlich früher beginnen. Als Faustregel gilt: starte etwa ein halbes Jahr vor der Jobsuche mit der Zusammenstellung deiner Unterlagen. Wer unter Zeitdruck seine Unterlagen erstellt, dem kann es gut passieren, dass sich Flüchtigkeitsfehler einschleichen oder wichtige Daten, Dokumente und Skills einfach vergessen werden. Und am Ende gibst du etwas ab, dass du eigentlich besser gekonnt hättest.

Der Aufwand für eine wirklich gründliche und gute Bewerbung ist nicht zu unterschätzen. Aber: wer sich die Arbeit einmal gemacht hat, muss seine Unterlagen im Anschluss „nur noch“ aktuell halten und kann dann auf mögliche Jobangebote schnell reagieren. Zudem bietet dir die Auseinandersetzung mit deinem Lebenslauf auch immer die Chance einmal zu reflektieren, wo du gerade stehst: Welche Erfahrungen konntest du schon sammeln? Wo hast du dich engagiert? Welche Skills kannst du schon vorweisen (EDV, Sprachen)? Und was fehlt dir vielleicht noch?

Mir selbst passiert es auch oft, dass mir nach ein paar Tagen noch bessere Formulieren einfallen oder ich den ein oder anderen Punkt ergänzen kann. Und das ist ein ganz entscheidender Vorteil, wenn man früh beginnt seinen Lebenslauf zu schreiben: Du kannst die Dokumente ein paar Tage ruhen lassen und dann noch einmal mit frischem Kopf drüber lesen. Ich bin mir sicher du kannst dann noch etwas verbessern!

Probieren geht über Studieren

Wer sich wirklich einmal ausprobieren möchte, der kann sich auch mal probeweise auf einen Job bewerben. Die Idee ist die: Du bewirbst dich auf einen Job, den du eigentlich gar nicht haben willst – quasi als Testdurchlauf. Wenn du nicht zum Gespräch eingeladen wirst, ist das ein Hinweis darauf, noch einmal über deine Unterlagen zu schauen und zu überlegen, ob sich da nicht etwas verbessern ließe. Wenn du eingeladen wirst, hast du irgendwas richtig gemacht und kannst im Anschluss direkt den Ernstfall eines Vorstellungsgesprächs proben. Natürlich könnte man jetzt mit dem schlechten Gewissen argumentieren, dass man der armen Firma damit unnütze Arbeit macht, da man ja bereits im Vorfeld weiß dass man den Job nicht haben will. Aber: wenn ihr euch voller Herzblut bei einer Firma bewerbt, die euch dann absagt, dann kräht auch kein Hahn danach welchen Aufwand ihr betrieben habt. So läuft das nun mal.

Am Ende gilt: Bewerbungen schreiben und in Vorstellungsgesprächen überzeugen ist eine Frage der Übung. Wer früh übt, der ist im Ernstfall vorbereitet. Wer erst im Ernstfall übt, der verpasst wohl möglich tolle Chancen.

There are 2 comments

  1. Max

    Gute Tipps, danke.
    Aber: wieso sechs Monate vorher? Wichtig ist, sich immer eine Arbeitsbestätigung/Zeugnis auszustellen, und wenn man dann einen ‚echten‘ Job nach dem Studium möchte, braucht man doch nicht Wochen zum Scannen der Dokumente. Und: So wahnsinnig individuell sind die wenigsten Bewerbungen, die häufig auch nicht besonders kreativ gewollt sind von Arbeitgeberseite.

    1. Gianna Reich

      Hallo Max,

      bei der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen geht es nicht nur um das Sammeln der Zeugnisse etc. sondern auch um das ausformulieren und layouten des Lebenslaufs. Wenn man ausreichend Zeit hat, kann man seinen Lebenslauf nicht nur in aller Ruhe und Sorgfalt anfertigen, sondern diesen auch mal gegenlesen lassen, z.B. vom Career Service der Uni.

      Zudem lassen angeforderte Arbeitszeugnisse gern mal ein paar Wochen auf sich warten. Es empfiehlt sich als auch hier frühzeitig alle wichtigen Dokumente anzufordern.

      Darüber hinaus kann man die Zeit auch noch sinnvoll nutzen, indem man sich mal den ein oder anderen Bewerbungsratgeber anschaut. Dabei geht es auch nicht darum, eine super individuelle Bewerbung anzufertigen, sondern vielmehr eine, die seitens der Personaler schnell und einfach „verarbeitet“ werden kann. Und genau das ist oft die Hürde: Die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten so auf den Punkt zu bringen, dass der Leser der Bewerbung schnell einschätzen kann, welches Profil er da gerade vor sich hat. Dazu empfehle ich folgende Lektüre: http://geisteswirtschaft.de/die-besten-bewerbungsvorlagen-fur-hochschulabsolventen/ und http://geisteswirtschaft.de/in-4-wochen-zum-besseren-job/

      Viele Grüße
      Gianna

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